Das vietnamesische Ministerium für Bildung und Ausbildung hat mit dem Rundschreiben Nr. 89/2026/TT-BGDĐT die Grundlage dafür gelegt, dass Abschlussklassen regelmässig computergestützte Beurteilungen und Bewertungen durchführen dürfen. Damit nimmt die Behörde gezielt eine Digitalisierung der Prüfungs- und Zeugnisverwaltung vor: Der digitale Schulbericht wird ausdrücklich als Bestandteil der Schülerakte verankert.
Kerndispositionen des Rundschreibens
Das Rundschreiben ergänzt und ändert Artikel früherer Verordnungen zur Bewertung in der Primar- und Sekundarstufe. Im Zentrum stehen Vorgaben an Ausstattung, IT-Infrastruktur, Software und betriebliche Abläufe. Nur Schulen, die diese Anforderungen erfüllen, dürfen die neuen computergestützten Tests regelmässig einsetzen.
- Digitale Prüfungen werden für Abschlussklassen erlaubt, sofern technische und organisatorische Vorgaben eingehalten werden.
- Der digitale Schulbericht ersetzt nicht zwingend das Papierzeugnis, wird aber Teil der offiziellen Schülerakte.
- Fachlehrpersonen sind verantwortlich für die Richtigkeit und Vollständigkeit der digitalen Lerndaten; Klassenlehrpersonen signieren das Klassenzeugnis digital, nachdem die Fachlehrpersonen bestätigt haben.
Erwartete Folgen für Schulen, Lehrpersonen und Lernende
Die Anordnung zielt darauf ab, die Objektivität und Transparenz von Bewertungen zu stärken und die digitale Transformation im Management von Schulnoten voranzutreiben. Für Lehrpersonen verändern sich Arbeitsabläufe: Ergebnisdaten müssen digital erfasst und bestätigt werden. Die digitale Signatur des Klassenzeugnisses etabliert eine neue Form der Rechenschaftspflicht.
Für Schulen und die zuständigen Behörden entstehen zugleich praktische Anforderungen: Die IT-Infrastruktur muss zuverlässig sein, geeignete Software muss bereitstehen, und Betriebsabläufe – etwa zur Aufsicht bei Tests oder zur Datenverwaltung – müssen geregelt sein. Dies gilt insbesondere angesichts des im Rundschreiben erwähnten zweistufigen Organisationsmodells der lokalen Verwaltung, das Verantwortung und Umsetzung zwischen zentraler und lokaler Ebene verteilt.
| Bereich | Auswirkung |
|---|---|
| Primarstufe | Digitaler Schulbericht als fester Bestandteil der Schülerakte; Fachlehrpersonen bestätigen Fachdaten digital |
| Sekundarstufe I & II | Erweiterung der Bewertungen und Managementprozesse auf digitaler Basis; Tauglichkeit der Infrastruktur Voraussetzung |
Offene Fragen: Gleichheit, Datenschutz, Finanzierung
Die Umsetzung wirft zentrale politische und pädagogische Fragen auf. Erstens: Die Chancengleichheit. Nicht alle Schulen verfügen bereits über die nötige Hardware, stabile Internetanbindung oder geschultes Personal. Ohne zusätzliche Investitionen in schwächeren, ländlichen Gemeinden droht eine Ungleichheit zwischen Schulen.
Zweitens: Datenschutz und Datensicherheit. Da der digitale Schulbericht nun Bestandteil der Schülerakte ist, erhöht sich die Bedeutung von sicheren Speichersystemen, Zugriffsregelungen und datenschutzkonformen Prozessen. Das Rundschreiben nennt technische Anforderungen, lässt aber viele Detailfragen zur Datenhoheit und zu Löschfristen offen.
Drittens: Finanzierung und Personalentwicklung. Um die vorgeschriebenen Anforderungen zu erfüllen, benötigen Kantone und Gemeinden klare Finanzpläne sowie Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen. Die Umstellung von Papier- auf digitale Abläufe bedeutet zusätzlichen Aufwand bei Entwicklung, Test und Betreuung der Systeme.
Politische Konsequenzen und nächste Schritte
Das Rundschreiben ist als Instrument zur Beschleunigung der digitalen Transformation im Bildungswesen zu verstehen. Es überträgt neue Pflichten auf Lehrkräfte und schreibt technische Mindeststandards vor. Die praktische Umsetzung wird lokalen Behörden und Schulleitungen erhebliche Koordinationsaufgaben auferlegen.
Damit das Reformvorhaben nicht zu einer weiteren Spaltung des Bildungswesens führt, sind drei Massnahmen zentral:
- Gezielte Investitionen in Infrastruktur in benachteiligten Regionen.
- Klare Regeln zum Datenschutz sowie zentrale Dienste für sichere Speicherung und Verwaltung von Schülerdaten.
- Weiterbildungsprogramme für Lehrpersonen und technische Supportstrukturen auf regionaler Ebene.
Ohne solche flankierenden Massnahmen droht die Digitalisierung der Bewertung zwar eine höhere Effizienz und Transparenz zu bringen, könnte aber zugleich bestehende Ungleichheiten festigen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie rasch und wie gerecht die neuen Vorgaben landesweit umgesetzt werden.