Der Mieterinnen- und Mieterverband Bern (MV Bern) hat eine interaktive Plattform lanciert, die sichtbar macht, wie und wo im Kanton bezahlbarer Wohnraum verschwindet. Das sogenannte Mietmonitoring dokumentiert Fälle von Kündigungen, Mietzinserhöhungen und Sanierungen und ist ab sofort online zugänglich.
Konkrete Zahlen und erste Befunde
Gemäss der ersten Erhebungen sind bereits mehr als 80 Fälle in der Karte erfasst. Der Verband weist zudem darauf hin, dass die Angebotsmieten im Kanton Bern im Durchschnitt rund 11% über den Bestandesmieten liegen. Das bedeutet: Wer eine Wohnung neu sucht, zahlt im Schnitt deutlich mehr als Mieterinnen und Mieter mit bestehenden Verträgen.
| Indikator | Erster Befund |
|---|---|
| Dokumentierte Fälle | Über 80 |
| Durchschnittlicher Angebotsmietenaufschlag | ~11% gegenüber Bestandesmieten |
Was die Karte leistet
Die interaktive Karte ermöglicht es, lokal zu sehen, wo Mietverhältnisse «unter Druck» geraten. Erfasst werden etwa Kündigungen wegen Sanierungen, mutmassliche Eigenbedarfskündigungen und signifikante Mietzinserhöhungen nach Wiedervermietung. Der MV Bern betont, dass viele einzelne Fälle kein isoliertes Problem darstellen, sondern Teil eines Musters sind, das sich über die ganze Region hinweg zeigt.
Der Verband stellt ein einfaches Online-Formular zur Verfügung, über das Betroffene oder Dritte Vorfälle melden können. Ziel ist es, mit einer breiteren Datengrundlage die politische Debatte zu stärken und konkrete Handlungserfordernisse aufzuzeigen.
Position des Verbands
«Mit dem Mietmonitoring können wir sichtbar machen, wie rasch und systematisch bezahlbarer Wohnraum verschwindet und wie wichtig und dringend unsere Forderungen nach Mietzinsüberprüfungen und nach mehr bezahlbarem Wohnraum sind», sagt Edith Siegenthaler, Präsidentin des MV Bern.
Die Verbandsleitung fordert auf dieser Grundlage unter anderem regelmässige Mietzinsüberprüfungen und mehr verbindliche Massnahmen zur Schaffung preisgünstigen Wohnraums.
Aufruf an Mieterinnen und Mieter
Der MV Bern ruft betroffene Personen dazu auf, eigene Fälle zu melden. «Jede einzelne Meldung macht die Karte vollständiger – und unsere politischen Forderungen schlagkräftiger», ergänzt Sabina Meier, Geschäftsleiterin des Verbands. Die Meldung ist laut Verband per Online-Formular möglich und richtet sich sowohl an direkt Betroffene als auch an Nachbarinnen, Angehörige oder Sozialorganisationen.
- Einfaches Meldesystem online: Fälle von Kündigung, Sanierung, Mietzinserhöhung erfassen.
- Transparenz über räumliche Verteilung: Karte zeigt Hotspots im Kanton Bern.
- Basis für politische Forderungen: bessere Mietschutzmechanismen und mehr preisgünstiger Wohnraum.
Regionale Bedeutung
Die Veröffentlichung erfolgt in einem Umfeld, in dem die Nachfrage nach Mietwohnungen in vielen Gemeinden des Kantons hoch bleibt. Zunehmend geraten nicht nur Stadtzentren, sondern auch Aussenquartiere und Agglomerationsgemeinden unter Druck. Der MV Bern macht deutlich, dass Verdrängungsprozesse nicht nur finanzielle Folgen haben, sondern soziale Netzwerke und Alltagsverhältnisse der Betroffenen tangieren.
Die Karte soll deshalb nicht nur dokumentieren, sondern auch mobilisieren: Sie liefert Daten, die politische Akteure, Behörden und die Öffentlichkeit nutzen können, um Massnahmen zu diskutieren und umzusetzen.
Weiteres Vorgehen
Der MV Bern plant, das Monitoring fortlaufend zu aktualisieren und auszubauen. Entscheidend für die Aussagekraft der Karte ist die Beteiligung der Bevölkerung: Je mehr Fälle gemeldet werden, desto präziser wird das Bild über die Entwicklung des Wohnungsmarktes im Kanton Bern.
Die Plattform ist ab sofort auf der Website des Verbands erreichbar. Der MV Bern will die so gewonnenen Erkenntnisse künftig auch in seine politische Lobbyarbeit einfließen lassen, mit dem Ziel, gesetzliche und praktische Instrumente zur Sicherung von bezahlbarem Wohnraum zu stärken.