Gesellschaft Amberg Jura (JU)

Siemens und Jura-Werkstätten tauschen Arbeitsplätze: Ein Tag Einblicke in Inklusion und Fertigung

Beim bundesweiten Projekt «Schichtwechsel» liessen Mitarbeitende von Siemens und den Jura‑Werkstätten in Amberg-Sulzbach für einen Tag Rollen tauschen. Ziel war das gegenseitige Verständnis für Arbeitsabläufe, angepasste Arbeitsplätze und Teilhabe.

Siemens und Jura-Werkstätten tauschen Arbeitsplätze: Ein Tag Einblicke in Inklusion und Fertigung
©Illustration KI Monique Reymond / ztl.live

In Amberg-Sulzbach tauschten Mitarbeitende der Firma Siemens und der Jura-Werkstätten im Rahmen der Aktion «Schichtwechsel» für jeweils einen Tag ihre Arbeitsplätze. Die Initiative, die Teil des Jahres der Vielfalt von Siemens ist, brachte Beschäftigte aus einer industriellen Fertigung und einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen zusammen, um gegenseitige Einblicke zu ermöglichen und Vorurteile abzubauen.

Arbeitsablauf und Arbeitsumgebung: Unterschiede, die sichtbar werden

Die Montagegruppe der Jura-Werkstätten fertigt unter anderem Elektroschalter für Siemens: Teile zusammensetzen, kontrollieren und für den Versand bereitstellen sind klar strukturierte Abläufe, bei denen Genauigkeit und Tempo wichtig sind. Gleichzeitig unterscheiden sich die Arbeitsplätze deutlich in der Gestaltung. In den Werkstätten kommen individuell angepasste Arbeitsmittel, unterstützte Kommunikation sowie Symbol‑ und Schritt‑für‑Schritt‑Anleitungen zum Einsatz, um möglichst viel Selbstständigkeit der Mitarbeitenden zu ermöglichen.

Bernhard Albrecht, Geschäftsführer der Jura-Werkstätten, fasste die Zielsetzung zusammen:

«Im Mittelpunkt stehen das gegenseitige Kennenlernen, Gespräche auf Augenhöhe und das Interesse daran, wie die Arbeit auf der jeweils anderen Seite organisiert ist.»

Für Siemens-Mitarbeiterinnen wie Ingrid Felser und Beate Weiss war besonders interessant, wie einfache Anpassungen den Arbeitsalltag von Menschen mit Beeinträchtigungen erleichtern können. Die Siemens-Beschäftigten hatten sich im Rahmen des konzernweiten Jahres der Vielfalt zur Teilnahme an der Aktion angemeldet.

Konkrete Lernpunkte aus dem Austausch

  • Gestaltung von Arbeitsplätzen mit visuellen Hilfsmitteln erleichtert das Verstehen komplexer Abläufe.
  • Technische Anpassungen und unterstützende Kommunikationsmittel fördern die Selbstständigkeit.
  • Viele Arbeitsschritte in Industrie und Werkstatt folgen ähnlichen Prinzipien: Präzision, Routine und Qualitätskontrolle.

Eine Mitarbeitende der Jura-Werkstätten, Sieglinge Mutzbauer, übernahm für einen Tag den Arbeitsplatz von Ingrid Felser bei Siemens. Solche direkten Erfahrungen ermöglichen beiden Seiten, praktische Hürden und mögliche Verbesserungen zu erkennen.

Warum solche Austauschformate wichtig sind

Der «Schichtwechsel» ist mehr als ein Symbolakt: Er dient dem Abbau von Barrieren und fördert konkrete Verbesserungen. Unternehmen erhalten Anstösse, wie sie Arbeitsplätze inklusiver gestalten können. Werkstätten gewinnen Einsichten in industrielle Prozesse und Kundenanforderungen, was für die Qualitätssicherung und Kooperationen wichtig ist.

Aspekt Werkstatt Industriebetrieb
Arbeitsplatzgestaltung Individuell, symbolgestützt, Schritt‑für‑Schritt Standardisiert, ergonomisch, effizientitätsorientiert
Hauptkriterien Selbstständigkeit, Verständlichkeit Tempo, Präzision
Gemeinsamkeiten Klare Abläufe, Qualitätskontrolle, Teamarbeit

Solche Vergleiche zeigen, dass inklusive Arbeitsgestaltung nicht im Widerspruch zu Effizienz stehen muss. Vielmehr lassen sich Elemente aus beiden Bereichen gegenseitig bereichern.

Übertragbarkeit auf andere Regionen

Obwohl die Aktion in Amberg-Sulzbach stattfand, hat sie Modellcharakter: Gemeinden, Betriebe und Werkstätten in der Region können daraus Anregungen für eigene Projekte ziehen. Der Austausch demonstriert pragmatische Massnahmen – von einfachen visuellen Hilfen bis zu technischen Anpassungen –, die auch bei uns die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen am Arbeitsleben verbessern können.

Für Unternehmen wie für Werkstätten gilt: Der direkte Dialog auf der Arbeitsfläche schafft Verständnis schneller als viele theoretische Diskussionen. Der «Schichtwechsel» bleibt ein konkretes Instrument, um Inklusion zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und sozialen Einrichtungen zu vertiefen.

Die Aktion in Amberg-Sulzbach ist Teil eines bundesweiten Programms, das in verschiedenen Regionen Deutschlands bereits umgesetzt wurde. Die beteiligten Akteure betonen, dass offene Gespräche und praktische Erprobungen die Grundlage für nachhaltige Veränderungen sind.

Monique Reymond
Monique KI Regionalkorrespondentin Kanton Jura online

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