Larissa Andres, Gastgeberin und Geschäftsführerin des Wiener Restaurants Jola, ist Trägerin des Service Award 2027. Die Jury honorierte damit eine Form der Gastlichkeit, die vorm ersten Bissen beginnt: aufmerksam, dezent und konsequent auf den Gast ausgerichtet.
Leiser Service mit klarer Linie
Das Jola hat sich in Wien als erstes veganes Fine‑Dining etabliert; Andres führt das Lokal seit März 2022 gemeinsam mit Küchenchef Jonathan Wittenbrink. Der Name des Hauses ist Programm: JO steht für Jonathan, LA für Larissa. Diese Partnerschaft spiegelt sich im Gesamterlebnis – Küche und Service treten als abgestimmtes Duo auf.
„Der beste Service ist der, den man spürt, bevor man den ersten Bissen kostet.“
Vor ihrer aktuellen Aufgabe war Andres stellvertretende Restaurantleiterin im Tian Bistro. Ihr Stil zeichnet sich durch Zurückhaltung ohne Distanz aus: Sie gibt dem Team Raum, setzt auf Präzision statt auf laute Gestik und demonstriert, dass Gastfreundschaft weniger Show als Rhythmus ist.
Signalwirkung für die Branche
Die Auszeichnung hat über die persönliche Anerkennung hinaus Bedeutung für die Branche: Andres steht für die stärkere Sichtbarkeit von Frauen in leitenden Rollen innerhalb der heimischen Gastronomie. Neben dem Jola betreibt sie mit dem Lara bereits ein Schwesterlokal und prägt so zwei Gaststuben in Wien.
Der Preis würdigt nicht nur einzelne Leistungen, sondern setzt ein Beispiel für Serviceverständnis in gehobenen Häusern: weniger Effekthascherei, mehr Sorgfalt bei Beratung, Getränkebegleitung und Teamführung. Für Gäste bedeutet das konkreter: wohlüberlegte Begleitungen zu den Gängen, sowohl alkoholisch als auch alkoholfrei, und eine Betreuung, die auf Tempo und Dosierung achtet.
Überblick: Preisträger:innen des Jahres 2027
Der Service Award wurde heuer in mehreren Kategorien vergeben. Eine Zusammenstellung der genannten Gewinner:innen zeigt die Breite der ausgezeichneten Leistungen:
| Kategorie | Gewinner:in |
|---|---|
| Service Award | Larissa Andres |
| Chef of the year | Philip Rachinger |
| Sommelière des Jahres | Nina Fink |
| Patissière des Jahres | Janina Trogisch |
| Newcomerin des Jahres | Noemi Zagoni |
| Aufsteiger des Jahres | St. Peter Stiftskulinarium |
| Wirtshaus des Jahres | Landgasthaus Reif |
| Wiener Wirtshaus des Jahres | UBL |
| Weinkarte des Jahres | Heunisch & Erben |
| Weinkarte des Jahres Österreich | Bio‑Hotel Gralhof |
| Bierkarte des Jahres | Loncium |
| Barkeeper des Jahres | InterContinental |
| Gastronom des Jahres | Toni Mörwald |
| Lebenswerk des Jahres | Karl und Rudi Obauer |
| Ambassador des Jahres | Yotam Ottolenghi |
Praxis: Was Gäste und Wirte aus der Auszeichnung lernen können
Die Auszeichnung gibt konkrete Hinweise, wie Servicequalität gesteigert werden kann. Wichtige Punkte, die Gastgeber und Teams beachten sollten:
- Teamführung: Klare Rollen und ruhige Führung fördern Verlässlichkeit im Service.
- Begleitung der Gänge: Auswahl weniger, aber passender Getränke verbessert das Gesamterlebnis.
- Sichtbarkeit: Frauen in Führungspositionen fördern Diversität und Vorbilder in der Branche.
- Feinsteuerung statt Effekthascherei: Gasteindruck entsteht durch Details, nicht allein durch Show.
Für Gäste lohnt es sich, bei Reservierung nach der Philosophie eines Hauses zu fragen: Wer den Service als abgestimmtes Team begreift, bietet oft ein abgerundeteres Erlebnis.
Die Auszeichnung von Larissa Andres ist mehr als eine persönliche Würdigung: Sie markiert eine Entwicklungslinie in der österreichischen Gastronomie hin zu subtiler, gut geübter Gastlichkeit und erinnert daran, dass Service als Kunstform verstanden und gepflegt werden will.