Die nationale Tourismus-Marketingorganisation Österreich Werbung (ÖW) prognostiziert für die Wintersaison 2026/27 rund 21,7 Millionen Gäste – ein Plus von etwa 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus einer Erhebung in den wichtigsten Herkunftsmärkten hervor und untermauert die Erwartung, dass der heimische Tourismus auch heuer auf hohem Niveau weitermachen könnte.
Buchungsschwerpunkte und Unsicherheiten
Besonders stark zeigt sich die Nachfrage für die Zeit rund um Silvester sowie für die Semesterferien im Feber. Laut einer Blitzumfrage der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sind diese Zeiträume schon jetzt in vielen Betrieben gut bis sehr gut ausgelastet. Demgegenüber ist die Lage für die Weihnachtszeit weniger einheitlich: Bei manchen Betrieben sind die Kapazitäten bereits knapp, bei anderen halten sich die Reservierungen zurück.
„Vor allem im Jänner gibt es bisher nur wenige Buchungen“
Die Umfrageergebnisse zeigen insgesamt ein differenziertes Bild der Erwartungslage in der Branche:
- Rund ein Drittel der Betriebe rechnet mit einer sehr erfolgreichen Saison.
- Etwa 29 Prozent der Befragten erwarten einen schwächeren Winter als im Vorjahr.
- Ungefähr 38 Prozent gehen von einem ähnlichen Niveau wie zuletzt aus.
Klimarisiken, Investitionsbedarf und regionale Folgen
Die kurzfristige Buchungsdynamik hängt auch stark von der Schneesituation ab. Tiefer gelegene Gebiete haben in den vergangenen Jahren bereits spürbar unter den Folgen des Klimawandels gelitten. Ohne gezielte Investitionen in künstliche Beschneiung, Infrastruktur oder Diversifizierung des Angebots drohen einzelne Gebiete an Attraktivität zu verlieren. WKÖ-Bundesspartenobfrau Susanne Kraus-Winkler warnt, dass Skigebiete, die notwendige Maßnahmen verschläfen, „gewaltig unter Druck“ gerieten. In der Praxis bedeutet das für viele Regionen schwierige Entscheidungen über Förderungen, Kooperationen und langfristige Wirtschaftlichkeit.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz als Wettbewerbsfaktoren
Die ÖW-Erhebung zeigt auch, dass bereits rund ein Drittel der Urlauber digitale Hilfsmittel und Künstliche Intelligenz (KI) bei der Urlaubsplanung nutzt. Vor diesem Hintergrund starteten ÖW und WKÖ eine Initiative, um Betriebe, insbesondere kleinere Familienbetriebe, bei der digitalen Sichtbarkeit zu unterstützen. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) betonte, dass das Angebot bis hinunter zum kleinsten Betrieb online auffindbar sein müsse, damit die heimische Tourismuslandschaft gegenüber internationalen Plattformen konkurrenzfähig bleibe.
| Indikator | Wert / Anteil |
|---|---|
| Prognostizierte Gäste 2026/27 | 21,7 Millionen (+1,5%) |
| Betriebe, die sehr erfolgreiche Saison erwarten | ~33% |
| Betriebe, die schwächeren Winter erwarten | 29% |
| Betriebe, ähnliches Niveau wie Vorjahr | 38% |
| Urlauber, die KI nutzen | ~33% |
Konsequenzen für Regionen und Politik
Für Regionen mit stark saisonabhängiger Wirtschaft hat die aktuelle Buchungssituation unmittelbare Bedeutung: Eine gut gebuchte Silvestersaison und starke Feberwochen können kleinere Betriebe, Gastronomie und Dienstleister erheblich entlasten. Umgekehrt wären geringere Auslastungen im Jänner für viele Gemeinden und Beschäftigte ein Risiko. Die Kombination aus Klimarisiken, begrenzten kommunalen Einnahmen und dem nötigen Modernisierungsbedarf bei zahlreichen Seilbahnen oder Beschneiungsanlagen macht politische Unterstützung sowie gezielte Förderprogramme erforderlich.
Wichtig bleibt, dass Digitalisierung und Vermarktung nicht nur Großbetriebe, sondern auch den ländlichen Mittelstand und Familienbetriebe erreichen. Nur so lassen sich Angebotspalette und Attraktivität der Destinationen langfristig sichern. Für die Branche steht nun die operative Umsetzung der Digitalisierungsmaßnahmen und eine kluge Investitionsstrategie in den kommenden Monaten im Vordergrund, um die positiven Signale der Buchungszahlen in reale Einnahmen und Beschäftigungsstabilität umzuwandeln.
Matthias Friedl, Wirtschafts- und Politikredaktion, ZTL