In Assisi, beim Komplex der Basilika Santa Maria degli Angeli, führt ein unscheinbarer Klostergang zu einem Rosengarten, der mehr sein will als bloße Zierde: Er ist Erinnerungsort an eine der bekanntesten und zugleich ungewöhnlichsten Begebenheiten im Leben von Franz von Assisi. Das berichtet der Schweizer Franziskaner Bruder Andreas Brunner OFM im Rahmen einer mehrteiligen Serie von Stefanie Stahlhofen für Radio Vatikan.
Der Bericht: Versuchung und Verwandlung
Bruder Andreas schildert, dass Franziskus an diesem Ort eine «grosse Versuchung» erlebt habe — die Versuchung, nicht mehr Ordensbruder zu sein. Um der Bedrängnis zu entgehen, soll Franziskus sich in einen Dornbusch geworfen haben; der Busch verwandelte sich laut Überlieferung in „Rosen ohne Dornen“. Die Episode ist Teil der kirchlichen Erzähltradition und dient im Rosengarten als Sinnbild für innere Kämpfe und göttlichen Beistand.
„Für Franziskus ist die Versuchung, nicht mehr Bruder zu sein. Und diese Versuchung ist so stark, dass er fast nicht widerstehen kann. Um der Versuchung nicht zu verfallen, wirft er sich in einen Dornbusch hinein, und der Dornbusch wird gewandelt in Rosen ohne Dornen“ — Bruder Andreas Brunner OFM
Kontext und Bedeutung
Die Erzählung verbindet mehrere Elemente: eine persönliche Prüfung, asketische Entscheidung und das Wunder als Zeichen. In der Überlieferung vieler Heiligenbiographien dienen solche Episoden dazu, innere Konflikte sichtbar zu machen. Der Rosengarten an der Basilika fungiert heute als konkreter Erinnerungsraum — ein Ort, an dem Pilgerinnen und Pilger nicht nur ein hübsches Beet, sondern eine theologische und spirituelle Botschaft vorfinden.
- Ort: Klostergang bei der Basilika Santa Maria degli Angeli in Assisi
- Erzählerin/Erzähler: Bruder Andreas Brunner OFM (Schweizer Franziskaner)
- Kerngestalt: Franz von Assisi; Thema: Versuchung und Widerstand
Was bleibt und was Fragen aufwirft
Historisch lassen sich Wundertaten und legendarische Episoden bei Heiligen nur selten mit modernen Dokumentationsstandards verifizieren. Die Überlieferung lebt vom mündlichen und schriftlichen Weitererzählen über Jahrhunderte. Dennoch erfüllen solche Geschichten in Wallfahrtsorten wie Assisi eine Funktion: Sie strukturieren religiöse Erinnerung, bieten Identifikationspunkte und motivieren Pilgerschaft.
| Aspekt | Bemerkung |
|---|---|
| Quelle der Erzählung | Interview/Beitrag von Bruder Andreas Brunner OFM; Teil einer Miniserie von Stefanie Stahlhofen |
| Mediale Form | Audio-Beitrag (Radio Vatikan) und schriftliche Reportage |
Für Besucherinnen und Besucher bedeutet das: Der Rosengarten ist kein botanisches Kuriosum allein, sondern Bild und Einladung zugleich — zu Nachdenken über persönliche Versuchungen und die Möglichkeiten, ihnen zu widerstehen. Wie viel historische Faktizität hinter der konkreten Verwandlung des Dornbuschs steckt, lässt sich nicht zweifelsfrei klären; die Erzählung funktioniert vielmehr als Sinnbild.
Kurios bleibt die Vorstellung in jedem Fall: Ein stachliger Strauch, der sich in eine blütenlose Gefahr verwandelt — und schließlich in ein Symbol ohne Schaden. Ob man das als Metapher liest oder als Wunder, bleibt der persönlichen Perspektive überlassen. Die Serie von Stefanie Stahlhofen bringt diese kleinen, oft übersehenen Seiten des Franziskuslebens an die Oberfläche und lädt dazu ein, bekannte Heiligenbiografien neu zu betrachten.
Hinweis: Der Beitrag ist Teil einer fünfteiligen Miniserie über kuriose Begebenheiten im Leben Franz von Assisis und basiert auf den Schilderungen von Bruder Andreas Brunner OFM.