Wien — Beim 4. MenoDay in Wien stand die Frage im Mittelpunkt, wie Frauen in den Wechseljahren medizinisch und gesellschaftlich begleitet werden. Die Diskussion verdeutlichte, dass es neben individuellen Gesundheitsfragen vor allem um Sichtbarkeit, bessere Beratung und eine altersgerechte Medizin geht.
Kontext und Gesprächsgegenstand
Die Veranstaltung richtete sich an Frauen, Angehörige und Fachpersonen. Im Kern ging es um das Zusammenspiel von gesellschaftlicher Wahrnehmung und medizinischer Versorgung in einer Lebensphase, die viele Frauen betrifft, für die es aber nach Einschätzung der Teilnehmenden noch zu wenig Angebote und Verständnis gibt. Eine der Vortragenden, die Ärztin Bibiana Kalmar, brachte dies pointiert auf den Punkt:
„In unserer Gesellschaft werden nur die Frauen alt. Die Männer fangen ab 60 einfach neu an.“
Der Satz löste im Saal Lachen und Applaus aus und zeigt zugleich, wie stark kulturelle Bilder das Erleben der Wechseljahre prägen können.
Was Frauen wirklich brauchen
Aus den Gesprächen und Vorträgen ließen sich mehrere zentrale Bedürfnisse herausarbeiten. Diese betreffen sowohl das Gesundheitssystem als auch den Alltag der Betroffenen:
- Bessere Information über Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Nebenwirkungen von Therapien;
- Niederschwellige Beratungsangebote in Praxis und Spital, die hormonelle und nicht-hormonelle Optionen verständlich erklären;
- Arbeitsplatzgerechte Regelungen, die Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen berücksichtigen;
- Entstigmatisierung und gesellschaftliche Anerkennung der Wechseljahre als normale Lebensphase.
Viele Frauen berichteten von langen Suchprozessen nach geeigneter Hilfe und davon, dass Symptome oft bagatellisiert würden. Expertinnen betonten die Notwendigkeit, die medizinische Aus- und Weiterbildung stärker auf die Lebensphase Wechseljahre auszurichten.
Folgen für Gesundheitsversorgung und Gesellschaft
Die Diskussion beim MenoDay hat zwei Ebenen: Einerseits geht es um direkte medizinische Versorgungsfragen — Diagnostik, Therapie, Nachsorge. Andererseits betrifft das Thema Arbeit, rechtliche Rahmenbedingungen und das gesellschaftliche Bild vom Altern. Werden diese Aspekte vernachlässigt, hat das Folgen für die Lebensqualität vieler Frauen.
Eine bessere Verankerung der Wechseljahre in der öffentlichen Gesundheitsdiskussion kann laut Teilnehmenden dazu beitragen, Behandlungsbarrieren abzubauen und Beschäftigte am Arbeitsmarkt zu halten. Zudem forderten Fachleute, dass Forschung zu Symptomen, Therapien und Langzeitfolgen ausgebaut werden sollte, damit Ärztinnen und Ärzte evidenzbasierte Empfehlungen geben können.
Kurzüberblick: Themenfokus des MenoDay
| Themenbereich | Schwerpunkt |
|---|---|
| Gesellschaft | Sichtbarkeit, Entstigmatisierung |
| Medizin | Beratung, Therapiewahl, Fortbildung |
| Arbeit | Arbeitsplatzanpassungen, Gesprächsbedarf |
Die Veranstaltung machte deutlich, dass es nicht allein um medizinische Interventionen geht, sondern um ein umfassenderes Verständnis von Gesundheit im mittleren und höheren Lebensalter.
Ausblick
Der MenoDay zeigt, dass die Diskussion um die Wechseljahre an Dynamik gewinnt. Für die nächsten Schritte empfehlen Fachleute, die Brücke zwischen Betroffenen, Hausärztinnen und -ärzten sowie Gynäkologinnen zu stärken und Informationsangebote zu bündeln. Langfristig könnte dies zu einer besseren Versorgungsqualität und zu weniger Stigmatisierung führen.
Die Gespräche in Wien unterstreichen einen einfachen Grundsatz: Wechseljahre betreffen nicht nur die Biologie, sondern auch Arbeit, Lebensplanung und gesellschaftliche Rollenbilder. Eine integrierte öffentliche und medizinische Antwort bleibt eine offene Aufgabe.