Wenn die Tage kürzer werden und der Himmel grau bleibt, berichten viele Menschen von einem spürbaren Stimmungstief. Dieser sogenannte „Herbstblues" ist laut dem Psychologen Prof. Dr. Tim Klucken aus Nordrhein-Westfalen keine klinische Diagnose, sondern ein verbreitetes, oft vorübergehendes Phänomen mit mehreren Ursachen.
Ursachen: Weniger Licht, weniger Aktivität
Der Experte führt mehrere Faktoren an, die im Herbst zusammenwirken. Ein zentraler Punkt ist der verminderte Lichteinfall: Weniger Sonnenstunden beeinträchtigen den circadianen Rhythmus und können das Energielevel sowie die Stimmung senken. Hinzu kommt eine geringere körperliche Aktivität, weil das Wetter zum Drinnenbleiben einlädt. Beide Effekte verstärken sich gegenseitig und führen bei vielen Menschen zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und allgemeinen Stimmungsschwankungen.
Was hilft konkret?
Prof. Klucken nennt mehrere praktikable Maßnahmen, die Betroffenen kurzfristig Erleichterung bringen können. Besonders betont er die Bedeutung von Struktur und Bewegung. Konkrete Empfehlungen aus der Quelle sind:
- Struktur im Alltag: Regelmässige Abläufe können Antriebslosigkeit entgegenwirken.
- Körperliche Aktivität: Regelmässige Spaziergänge oder Bewegung an der frischen Luft helfen, Stimmung und Energie zu stabilisieren.
- Lichttherapie: Tageslichtlampen mit hoher Leuchtstärke können einen Versuch wert sein, jedoch sind Anwendungshinweise zu beachten.
„Herbstblues ist keine Diagnose.“
Zu der Lichttherapie erklärt Klucken, dass eine wirksame Lampe eine Helligkeit von mindestens 10.000 Lux haben sollte und täglich über mehrere Minuten angewendet werden muss. Er weist darauf hin, dass viele Menschen diese Nutzung im Alltag kaum realistisch durchhalten: Die Lampe sollte idealerweise morgens aus nächster Nähe und für längere Zeit verwendet werden, was organisatorisch herausfordernd ist.
Pragmatische Empfehlung: Spaziergänge statt Lampe
Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Psychotherapeut als realistischere und zugleich effektive Alternative, die Zeit lieber für einen Spaziergang im Freien zu nutzen. Bewegung an Tageslicht kombiniert die Vorteile von Licht und körperlicher Aktivität und ist leichter in den Alltag zu integrieren als eine strenge Lichttherapie-Routine.
Abgrenzung zur Depression
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem verbreiteten Herbstblues und einer klinischen Depression. Letztere ist eine psychiatrische Diagnose mit eindeutigen Kriterien; sie erfordert fachärztliche Abklärung und gegebenenfalls therapeutische oder medikamentöse Behandlung. Der Begriff „Herbstblues" bezieht sich hingegen meist auf leichtere, vorübergehende Eintrübungen der Stimmung.
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
| Struktur im Alltag | Reduziert Antriebslosigkeit, gibt Orientierung |
| Spaziergänge / Bewegung | Verbessert Stimmung und Energie durch Licht und Aktivität |
| Lichttherapie (10.000 Lux) | Kann helfen, erfordert allerdings tägliche, längere Anwendung |
Für Menschen, die anhaltend oder stark belastet sind, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung, um eine mögliche Depression frühzeitig zu erkennen und geeignete Hilfe einzuleiten. Für die breite Bevölkerung gelten einfache Verhaltensweisen wie Tagesstruktur, regelmässige Bewegung und möglichst mehr Tageslicht als erste, praktikable Schritte gegen den Herbstblues.
Die beschriebene Einschätzung und die Empfehlungen beruhen auf dem Gespräch mit Prof. Dr. Tim Klucken, Leiter des Bereichs Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Siegen, wie in der vorliegenden Quelle wiedergegeben.