Über dem Bündner Dorf Fläsch bringt das Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden derzeit zwei instabile Felskörper am Matlusch gezielt ab. Die Arbeiten dienen dem Schutz von Infrastruktur und Erholungseinrichtungen; das Dorf selbst bestehe laut Behörden weiterhin keine Gefahr.
Massnahmen und laufende Arbeiten
Seit dem 23. September ist die Steigstrasse zwischen Fläsch und der St. Luzisteig gesperrt. Ebenfalls gesperrt bleiben der Klettergarten am Matlusch sowie der dortige Wanderweg. Am Montag begannen Spezialisten mit dem mechanischen Abtrag des ersten, kleineren Felskörpers. Dabei setzen sie unter anderem hydraulische Hebekissen ein, um Gesteinsmassen kontrolliert zu lösen.
Beim benachbarten, grösseren Felspfeiler ist noch nicht abschliessend entschieden, ob ein rein mechanisches Vorgehen ausreicht oder ob eine sogenannte Lockerungssprengung notwendig wird. Ziel wäre dabei, den grösseren Block in möglichst kleine Teile zu zerlegen, damit der darunterliegende Schutzwald und die Infrastruktur möglichst geschont werden.
«Kleiner als ein halber Kubikmeter», sagte Gemeindepräsident René Pahud zum gewünschten Zerfallsgrad der Gesteinsstücke, falls eine Sprengung erfolgen müsse.
Warum Sicherungen nicht ausreichen
Prüfungen verschiedener Alternativen hätten ergeben, dass Verankerungen, Sicherungen oder Steinschlagschutznetze bei diesem Felsstock unzuverlässig und unverhältnismässig wären. Der verantwortliche Experte vom Amt für Wald und Naturgefahren betont, der Fels sei stark zerrüttet und das Gelände sehr steil. Deshalb sei der gezielte Abtrag die nachhaltigste Lösung.
Schutz der Infrastruktur
Bereits in der vergangenen Woche wurden unterhalb der Felsböden Schutzmassnahmen umgesetzt: Ein Wasserreservoir und weitere kleinere Bauten sind mit Stahlpalisaden und Holzeinlagen gesichert. Auf der Steigstrasse wurde eine Schicht Holzschnitzel aufgebracht, um die Fahrbahn vor herabfallendem Material zu schützen. Nach Abschluss des Abtrags soll die Felswand gesäubert, der Sturzraum gesichert und der Objektschutz zurückgebaut werden.
Auswirkungen auf Verkehr und Einsatzkräfte
Für die Anwohnerinnen und Anwohner von Fläsch besteht laut Behörden weiterhin keine unmittelbare Gefährdung. Die Sperrung der Steigstrasse wirkt sich jedoch auf Verkehrswege aus: Vor allem die Armee ist betroffen, weil ihre Fahrzeuge nun via Maienfeld fahren müssen. Der Zeitraum der Arbeiten hänge vom Verhalten des grösseren Felskörpers ab; bisher wird von einer Dauer von zwei bis drei Wochen ausgegangen.
- Betroffene Infrastruktur: Steigstrasse, Klettergarten, Wanderweg Matlusch
- Schutzmassnahmen: Stahlpalisaden, Holzabdeckungen, Holzschnitzel auf Fahrbahn
- Vorgehen: Mechanischer Abtrag; Lockerungssprengung möglich
Technische und ökologische Aspekte
Bei einer allfälligen Lockerungssprengung soll das Gestein in möglichst kleine Einheiten zerlegt werden, damit die darunterliegenden Schutzwälder nicht übermässig beeinträchtigt werden. Danach würden Auffangmassnahmen im Sturzraum installiert und der Bereich kontrolliert freigeräumt. Die Kosten tragen Bund und Kanton, wie es aus den Berichten zur Projektplanung hervorgeht.
| Aspekt | Stand |
|---|---|
| Sperrung Steigstrasse | Seit 23. September, voraussichtlich weitere 2–3 Wochen |
| Aktuelle Arbeiten | Mechanischer Abtrag des ersten Felskörpers |
| Mögliche Zusatzmassnahme | Lockerungssprengung des grösseren Felspfeilers |
| Gefährdung Dorf | Keine |
Die Lage am Matlusch ist für die regionale Bevölkerung und für Gäste wichtig: Der Ort ist bei Kletterinnen und Kletterern beliebt und Teil eines Netzwerks von Wanderwegen und Militärpisten. Die Behörden kommunizieren, dass Sicherheit Vorrang habe und dass die Arbeiten so ausgeführt würden, dass langfristig wieder verlässliche Bedingungen für den Fuss- und Fahrzeugverkehr geschaffen werden.
Die Bevölkerung wird gebeten, die Sperrungen zu respektieren und Hinweise der Einsatzkräfte zu befolgen. Weitere Informationen und aktuelle Sperrstatus-Meldungen geben die kantonalen Stellen bekannt, sobald sich der Verlauf der Arbeiten konkretisiert.