An einem heissen Junitag kurz nach einem Hagelsturm wirkt der Hof von Brigitte Flühler nicht wie ein blühender Bienengarten. Dennoch lässt sich bei einem Rundgang zwischen Gemüsebeeten, Obstbäumen, Johannisbeersträuchern und Hühnern deutlich beobachten: Wildbienen nutzen die verbliebenen Blüten von Kornblume, Mohn, Karde und Ginster als Nahrungsquelle. Der Betrieb dient als praktisches Beispiel dafür, wie landwirtschaftliche Flächen bienenfreundlicher gestaltet werden können.
Warum Wildbienen wichtig sind
Wildbienen unterscheiden sich von Honigbienen darin, dass sie meist solitär leben und nicht in grossen Staaten organisiert sind. Weltweit existieren rund 30'000 Wildbienenarten; in der Schweiz sind mehr als 500 Arten beheimatet. Gleichzeitig steht fast die Hälfte dieser Arten in der Schweiz auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Für die Landwirtschaft sind Wildbienen wegen ihrer Bestäuberleistung unverzichtbar: Nur bestäubte Pflanzen bringen Ertrag.
Ein Hof als Demonstrationsbetrieb
Der Biohof von Flühler ist Teil des Projekts «Summende Bauernhöfe», das von Pro Natura Unterwalden und Uri initiiert wurde. Ziel ist es, Landwirtinnen und Landwirte in Uri, Nid- und Obwalden beim Umsetzen wildbienenfreundlicher Massnahmen zu unterstützen. Auf dem Hof lassen sich mehrere einfache und kostengünstige Massnahmen beobachten, die als Vorbild dienen können.
Zu den sichtbaren Elementen zählen unter anderem:
- Blühstreifen und gezielt angelegte Mischkulturen, die während der Vegetationsperiode Nahrung bieten;
- Totholzinseln, die Insekten Lebensraum und Brutstätten bereitstellen;
- sandige, sonnige Haufen als Nistplätze für bodenbrütende Arten;
- grösstmögliche Unterscheidung von intensiv genutzten Flächen und brachliegenden Sukzessionsflächen.
Beratung und Unterstützung
Pro Natura Unterwalden berät Höfe im Rahmen der Aktion. Katherine Schmid, Projektleiterin Biodiversitätsförderung im Kulturland bei Pro Natura Unterwalden, bringt die Zielsetzung auf den Punkt:
«Mit den ‹Summenden Bauernhöfen› möchten wir Landwirtinnen und Landwirte in Uri, Nid- und Obwalden dabei unterstützen, ihren Betrieb möglichst wildbienenfreundlich zu gestalten.»
Solche Beratungen zeigen, dass Schutzmassnahmen nicht zwingend aufwändig oder ertragsmindernd sein müssen. Vielmehr geht es häufig um kleine Anpassungen in Fruchtfolge, Randstreifenpflege oder dem Angebot an Nistplätzen.
Herausforderungen bleiben
Trotz positiver Beispiele wie dem Hof von Flühler sind die Ursachen für den Rückgang zahlreicher Arten vielfältig: intensive landwirtschaftliche Nutzung, Verlust vernünftiger Grünräume und Infrastrukturbau tragen dazu bei, dass Lebensräume schrumpfen. Auch die Witterung – etwa Hagel- oder Hitzeereignisse – kann lokale Nahrungsressourcen stark beeinträchtigen.
Die Zahlen machen die Dringlichkeit deutlich. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Angaben zusammen:
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Weltweit bekannte Wildbienenarten | ~30'000 |
| Arten in der Schweiz | >500 |
| Anteil auf Schweizer Roten Listen | fast die Hälfte |
Praxisrelevanz für Obwalden
Für lokale Landwirtinnen und Landwirte bieten die gezeigten Massnahmen realistische Einstiegsmöglichkeiten: Ein paar Quadratmeter Blühstreifen, behutsam belassene Totholzbereiche oder kleine sandige Nistflächen können die Vielfalt an bestäubenden Insekten erhöhen. Solche Elemente lassen sich oft in bestehende Bewirtschaftungspläne integrieren und können langfristig auch Ertragsstabilität fördern.
Für Konsumentinnen und Konsumenten in Obwalden bedeutet die lokale Förderung von Wildbienen: stabile Ernteerträge, eine vielfältigere Kulturlandschaft und mehr Naturerlebnis vor der Haustür. Initiativen wie «Summende Bauernhöfe» zeigen, dass es möglich ist, Landwirtschaft und Biodiversität zusammenzudenken.
Weitere Schritte bleiben, etwa die Verbreiterung solcher Projekte auf mehr Betriebe und eine engere Vernetzung von Produzenten, Beratungsstellen und Naturschutzorganisationen. Die Erfahrungen aus Giswil können dabei als praktische Anleitung dienen.