Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli hat eine Kandidatur für den freiwerdenden Bundesratssitz von Guy Parmelin abgelehnt. In einem Interview mit der «NZZ» erklärte Rickli, sie wolle die Verantwortung im Kanton Zürich weiterhin tragen und deshalb nicht in die Landesregierung wechseln. Die Absage verschärft den Druck auf die SVP, die Suche nach einer Nachfolge voranzutreiben, und lässt das Feld der potenziellen Kandidaten weiter ausdünnen.
Begründung und kantonale Verantwortung
Rickli begründete ihren Entscheid mit der bevorstehenden Regierungsratswahl im Kanton Zürich: Nächsten Frühling finde ein grosser Wechsel in der Kantonsregierung statt, nur drei von sieben Regierungsräten würden wieder antreten. Sie sehe sich als einzige bürgerliche Regierungsrätin, die erneut kandidiere, und halte es deshalb für notwendig, ihre Amtsverantwortung vor Ort weiterzuführen. Dazu sagte sie in der «NZZ»:
«Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich die Verantwortung im Kanton Zürich weiterhin tragen möchte.»
Mit ihrer Absage folgt Rickli mehreren prominenten Parteikollegen, die bereits auf eine Kandidatur verzichtet hatten. Damit bleibt bislang nur eine offizielle Kandidatur innerhalb der SVP für Parmelins Nachfolge registriert.
Empfehlung und regionale Erwägungen
Statt einer eigenen Bewerbung gab Rickli eine Wahlempfehlung ab: Sie verwies auf den Aargauer Regierungsrat Jean‑Pierre Gallati und hob dessen Erfahrung als Gesundheitsdirektor hervor. Gallati habe, so Rickli, aufgrund der Corona‑Pandemie Krisenerfahrung, die in einem Bundesratsmandat relevant sei.
Der Schritt illustriert zudem die aktuelle Dynamik innerhalb der SVP: Empfehlen politische Akteure Kollegen aus der eigenen Sprachregion. So hatte der Waadtländer Nationalrat Yvan Pahud nach seinem Rückzug bereits die Genfer Kantonsrätin Céline Amaudruz für die SVP‑Kandidatur vorgeschlagen. Im Moment ist Amaudruz weiterhin die einzige offiziell gemeldete Kandidatin aus der Westschweiz.
Folgen für das Kandidatenfeld
Die Absage Ricklis reduziert die Optionen für die SVP deutlich. Insbesondere Frauenkandidaturen stehen derzeit nicht im Vordergrund: Vor Ricklis hatten sich bereits mehrere prominente Frauen nicht als Kandidatinnen positioniert. Namen, die in Diskussionen genannt wurden, sind bisher nicht als Bewerbungen bestätigt.
- Ricklis Entscheidung stützt die SVP‑Debatte um regionale Repräsentation.
- Empfehlung von Gallati unterstreicht die Bedeutung von Gesundheits‑ und Krisenerfahrung.
- Die SVP verfügt aktuell nur über eine offizielle Kandidatur für Parmelins Sitz.
Tabelle: Aktueller Stand im SVP‑Bundesratsrennen (Ausgangslage)
| Kontext | Bemerkung |
|---|---|
| Offizielle Kandidatur | Céline Amaudruz (bislang einzige offizielle Kandidatur) |
| Prominente Absagen | Natalie Rickli (Zürich) und weitere nicht näher bezeichnete Personen |
| Empfohlene Person | Jean‑Pierre Gallati (Aargau, empfohlen von Rickli) |
Politische Relevanz für den Kanton Zürich
Ricklis Entscheidung hat zwei Ebenen: Lokal schwächt sie die Möglichkeit, dass der Kanton Zürich direkt im Bundesrat vertreten bleibt, falls die SVP eine kantonale Kandidatin bevorzugt hätte. Gleichzeitig betont sie die Bedeutung stabiler Führung im Kanton angesichts umfassender personeller Wechsel im Regierungsrat.
Auf Parteiebene verstärkt die Absage den Druck auf die SVP‑Delegierten, rasch eine konsistente Strategie zu finden. Die Sprachregionen spielen offenbar eine nicht zu unterschätzende Rolle: Sowohl interne Empfehlungen als auch mediale Diskussionen fokussieren auf die Frage, ob die Nachfolge aus der Deutsch‑ oder Westschweiz kommen soll.
Ausblick
Wie die SVP auf Ricklis Rückzug reagiert und ob Jean‑Pierre Gallati eine Kandidatur anstrebt, bleibt abzuwarten. Die Partei muss nun rasch klären, ob sie hinter der bisherigen offiziellen Kandidatin steht oder weitere Namen ins Rennen schickt. Für den Kanton Zürich bedeutet Ricklis Entscheid, dass sie ihre Arbeit in der kantonalen Exekutive fortsetzt und dort eine mögliche Lücke in der bürgerlichen Vertretung verhindern will.
Die Entwicklungen in den nächsten Wochen werden zeigen, ob die SVP eine Einigung erzielt oder ob das Rennen um Parmelins Sitz weiter fragmentiert bleibt.