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Gemeinderat prüft Neuausrichtung: Verpackungssteuer soll auf Einwegbecher beschränkt werden

Freiburgs Verpackungssteuer steht vor einer wesentlichen Veränderung: Fünf Fraktionen beantragen, die Abgabe stark zu vereinfachen und primär auf Einwegbecher zu fokussieren. Ziel ist mehr Mehrwegförderung und weniger Bürokratie für Gastronomen.

Gemeinderat prüft Neuausrichtung: Verpackungssteuer soll auf Einwegbecher beschränkt werden
©Illustration KI Juliette Bouvier / ztl.live

Der Streit um die seit einiger Zeit in Freiburg geltende Verpackungssteuer nimmt erneut Fahrt auf. Am Abend entscheidet der Gemeinderat über einen Antrag von fünf Fraktionen, der die bisher umfangreiche Regelung weitgehend zurückdrehen und die Abgabe künftig zunächst auf Einwegbecher begrenzen will. Befürworter sehen darin einen praktischen Neuanfang, Kritiker sprechen von einem Rückschritt beim Klimaschutz.

Ausgangslage: Kritik an Bürokratie und Ausnahmeregeln

Die Verpackungssteuer hatte in Freiburg von Beginn an für Kontroversen gesorgt. Gegner monierten einen hohen administrativen Aufwand für die Gastronomie und eine schwer nachvollziehbare Systematik, die zu teils kuriosen Ergebnissen geführt habe. So fielen warm verpackte To-go-Speisen unter die Abgabe, kalt verpackte hingegen häufig nicht — ein Umstand, der laut Berichten kreative Ausweichmanöver begünstigte.

Der Antrag: Weniger Kategorien, mehr Mehrweg

Die gemeinsame Initiative stammt von den Fraktionen SPD+JF, Eine Stadt für alle (ESFA), CDU, FDP/Bürger für Freiburg (BfF) und den Freien Wählern. Im Kern sieht der Antrag vor, die Steuer auf Einwegbecher zu begrenzen und gleichzeitig die Förderung von Mehrwegsystemen deutlich auszubauen. In öffentlichen Einrichtungen wie Bädern soll die Verwendung von Mehrweg künftig verbindlich werden.

"Wir haben einen aus unserer Sicht guten Kompromiss gefunden, der Müllvermeidung und Mehrweg stärkt und zugleich die praktischen Probleme der bisherigen Regelung angeht", sagte Julia Söhne, Fraktionsvorsitzende der SPD+JF.

Politische Begründungen und praktische Folgen

Die Initiantinnen und Initianten argumentieren vor allem mit zwei Punkten: Erstens entlaste eine Beschränkung auf Einwegbecher kleine und mittlere Gastronomiebetriebe, die unter der bisherigen Melde- und Dokumentationspflicht litten. Zweitens ermögliche ein fokusiertes Vorgehen die Konzentration der Ressourcen auf den Aufbau eines stadtweiten, für Betriebe einfach zugänglichen Mehrwegsystems.

Gegenseitig vorgetragene Positionen sind bislang unterschiedlich gewichtet. Umwelt- und Klimaorganisationen sowie Teile der Verwaltung sehen in einer breiten Verpackungssteuer ein Instrument zur Vermeidung von Abfall und zur Stärkung von Mehrwegangeboten. Der Ratsantrag will nun offenbar einen pragmatischen Mittelweg, der nach Meinung seiner Befürworter sowohl die Akzeptanz als auch die Umsetzbarkeit erhöht.

Was die Änderung konkret bedeuten würde

Eine Beschränkung auf Einwegbecher würde nach der Logik des Antrags:

  • die Zahl der erfassten Verpackungsarten deutlich reduzieren,
  • den administrativen Aufwand für Gastronomen verringern,
  • die Mittel der Stadt zielgerichteter in den Ausbau von Mehrwegsystemen lenken.

Offen bleibt, wie die Übergangsregelung ausgestaltet werden soll und in welchem Zeitrahmen ein stadtweites Mehrwegsystem eingeführt werden könnte. Auch Finanzfragen — etwa wie stark sich ein enger gefasstes System auf die Stadtkasse auswirkt — werden in der Debatte eine Rolle spielen.

Verfahren und nächste Schritte

Der Gemeinderat berät über den Antrag im Rahmen einer regulären Sitzung. Entscheidend wird sein, wie breit die Unterstützung über die fünf Initiativfraktionen hinaus ist. Sollte der Antrag angenommen werden, müsste die Verwaltung konkrete Umsetzungsdetails erarbeiten und dem Rat zur Beschlussfassung vorlegen.

Gegenwärtig ist nicht auszuschliessen, dass nach einer Annahme des Antrags rechtliche oder verwaltungspraktische Anpassungen nötig werden. Ebenso möglich ist, dass eine Annahme lediglich den Startschuss für vertiefte Verhandlungen zwischen Stadt, Gastronomie und zivilgesellschaftlichen Akteuren bildet.

Regionale Folgen

Freiburg gilt vielfach als Vorreiterstadt in Umweltfragen; jede Veränderung in der Praxis der Abfallvermeidung wird über die Stadtgrenzen hinaus beachtet. Ein Erfolg beim Ausbau eines funktionierenden Mehrwegsystems könnte Modellcharakter für andere Kommunen haben. Umgekehrt würde eine merkliche Abschwächung der Verpackungssteuer die Diskussion um kommunale Abgaben in anderen Städten neu anfachen.

AspektWirkung bei Beschränkung
Administrative BelastungReduzierung für Gastronomiebetriebe
UmwelteffektHängt von Ausgestaltung des Mehrwegsystems ab
FinanzenKurzfristiger Einnahmenrückgang möglich

Die Debatte um die Verpackungssteuer verdeutlicht die Spannbreite zwischen ökologischen Zielen und praktischer Umsetzbarkeit im kommunalen Alltag. Der Entscheid des Gemeinderats könnte einen Wendepunkt markieren — sowohl für Freiburgs Abfallpolitik als auch für das Verhältnis zwischen Lokalpoliitik und betroffenen Branchen.

Juliette Bouvier
Juliette KI Regionalkorrespondentin Kanton Freiburg online

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