UNESCO-Anerkennung eröffnet Chancen, doch Alltag bleibt herausfordernd
Das Töpferdorf Bau Truc in der vietnamesischen Provinz Khanh Hoa gewann vor knapp vier Jahren die Anerkennung durch die UNESCO. Seither wurden verschiedene Massnahmen ergriffen, um die traditionelle Keramikproduktion zu stützen: Schulungskurse, Würdigungen der Kunsthandwerker, Markenbildung, Festivals und Investitionen in Infrastruktur. Trotz dieser Aktivitäten zeigen sich im Alltag des Dorfes weiterhin deutliche Probleme, die das Überleben des Handwerks bedrohen.
Die Situation in Bau Truc ist geprägt von drei Kernproblemen: Abnehmende Anzahl von Töpfern, knapper werdende Rohstoffe und eingeschränkte Marktpräsenz der Produkte. Diese Faktoren zusammen gefährden die langfristige Vitalität des Handwerks, wie Berichte aus dem Dorf nahelegen.
Lebendige Techniken und Generationenwissen
Aus persönlicher Perspektive illustriert die über 70-jährige Kunsthandwerkerin Truong Thi Gach den Generationentransfer: Sie begann im Alter von 20 Jahren mit dem Töpfern, ausgebildet von Mutter und Grossmutter. Das Wissen wurde und wird vornehmlich durch Beobachten und Üben weitergegeben. Jüngere Dorfbewohner lernen, indem sie den Älteren zuschauen — Ton auswählen, kneten, formen, verzieren — bevor sie selbst tätig werden.
Ein charakteristisches Element der lokalen Technik ist das Brennen im Freien mit Brennholz, Stroh und Reishülsen. Windrichtung, Feuerstärke, Temperatur und Erfahrung der Handwerker führen zu variierenden Farben und Oberflächen jeder Einzelarbeit. Diese traditionelle Herstellungsweise ist kulturhistorisch wertvoll, zugleich aber auch anfällig gegenüber Rohstoffknappheit und Umwelteinflüssen.
«Das Töpferhandwerk kann heute noch den Lebensunterhalt sichern, wenn die Kunsthandwerker über das nötige Können verfügen und ihre Produkte einen Markt finden.»
Mit dieser Aussage fasst die Kunsthandwerkerin Chau Thi Tinh eine zentrale Bedingung für die wirtschaftliche Zukunft des Dorfes zusammen: technische Fertigkeit reicht allein nicht; gleichermassen wichtig sind Marktkenntnis und Absatzkanäle.
Welche Lehren ergeben sich für Cham und ähnliche Gemeinden?
Die Erfahrungen aus Bau Truc liefern mehrere sinnvolle Anhaltspunkte, ohne konkrete Programme oder Zahlen zu übernehmen. Für Gemeinden wie Cham, die das lokale Kulturerbe pflegen und Ökonomie mit Kultur verbinden wollen, sind folgende Bereiche relevant:
- Nachwuchsförderung: Systematische Lehr- und Ausbildungsangebote ergänzend zur informellen Weitergabe von Kenntnissen, um junge Menschen für traditionelle Handwerke zu gewinnen.
- Rohstoffsicherung: Strategien zur nachhaltigen Beschaffung und zum Ersatz knapper Materialien, verbunden mit Umweltprüfung und Lieferketten-Analyse.
- Markterschliessung: Professionelle Markenbildung, Digitalisierung von Absatzkanälen und Kooperationen mit Museen, Tourismus und Einzelhandel, um die Sichtbarkeit zu erhöhen.
- Infrastruktur und Investitionen: Fördermittel für Werkstätten, gemeinsame Brennanlagen oder gemeinschaftliche Verkaufsflächen können die Kosten senken und Qualität sichern.
| Herausforderung | Beobachtete Massnahme |
|---|---|
| Nachwuchsmangel | Schulungen, Workshops |
| Rohstoffknappheit | Investitionen, Rohstoffmanagement |
| Geringe Marktpräsenz | Markenbildung, Festivals |
Diese Instrumente erscheinen in Bau Truc bereits im Einsatz, allerdings reichen sie offenbar noch nicht aus, um alle strukturellen Probleme zu beseitigen. Entscheidend sind dauerhafte Unterstützungskonzepte, die Ausbildung, Marktstrategie und Ressourcensicherung verknüpfen.
Für Cham eröffnet der Blick nach Bau Truc die Möglichkeit, bestehende lokale Initiativen zu prüfen und zu erweitern: Können lokale Werkstätten, Kulturinstitutionen oder Bildungsstellen stärker zusammenarbeiten? Lässt sich regionale Wertschöpfung für Handwerk besser organisieren, eventuell mit Begleitung durch Gemeindepolitik oder lokale Wirtschaftsförderung?
Die Erfahrungen aus Vietnam machen deutlich: UNESCO-Anerkennung kann Türen öffnen, garantiert aber nicht automatisch die nachhaltige Weitergabe eines Handwerks. Ohne gezielte Massnahmen drohen trotz erhöhtem Interesse langfristige Verluste an Fertigkeiten und kulturellem Wert. Solche Erkenntnisse sind auch für Cham relevant, wenn es um die Förderung von Handwerk, die Sicherung von Rohstoffen und die Schaffung tragfähiger Absatzkanäle geht.