Die Anfang 2025 im Niger entführte Österreicherin Eva G. ist nach mehr als 21 Monaten Geiselhaft wieder frei und laut APA in Wien eingetroffen. Die Freilassung wurde von Außenministerin Beate Meinl‑Reisinger (NEOS) bestätigt. Ein Foto zeigt die 76‑Jährige bei der Ankunft am Flughafen Wien‑Schwechat beim Empfang durch ihren Sohn.
Bestätigung durch das Außenministerium und familiäre Erleichterung
Die Außenministerin sagte laut APA, sie habe bereits mit Eva G. telefoniert und sei „sehr beeindruckt von dieser starken Frau“. In einem vom ORF Wien vorliegenden Dankesvideo zeigt sich der Sohn der Frau, Christoph G., überwältigt und «überglücklich», dass die Geiselnahme beendet sei. Er bedankte sich namentlich bei den beteiligten Behörden, dem Krisenstab und mehreren Staaten.
„Nach über 21 Monaten bin ich überglücklich, dass der Spuk und die Geiselnahme beendet sind und unsere Mutter nach Hause kommt“, sagte Christoph G. in der Videobotschaft.
Die Befreiung der Wienerin ist ein Ende eines monatelangen diplomatischen und humanitären Kraftakts. Laut Berichten des libyschen Senders al‑Masar seien zwei Geiseln — eine Österreicherin und eine Schweizerin — nach eineinhalb Jahren Gefangenschaft freigelassen und dank der Intervention des stellvertretenden Oberbefehlshabers Saddam Khalifa Haftar in Bengasi eingetroffen.
Hintergrund: Lebenswerk in Niger und Entführung
Die Wienerin hatte Jahrzehnte in Niger gelebt und dort Entwicklungsarbeit geleistet. Sie war im Jänner 2025 entführt worden. Seitdem gab es immer wieder diplomatische Bemühungen, sie zurück nach Österreich zu bringen; bislang ohne Erfolg. Die nun bestätigte Freilassung beendet eine Phase intensiver Unsicherheit für die Familie und für Teile der österreichischen Öffentlichkeit, die den Fall verfolgt hatten.
Wer war beteiligt — ein Überblick
- Betroffene: Eva G., 76, Wienerin mit langjähriger Tätigkeit in Niger.
- Öffentliche Bestätigung: Außenministerin Beate Meinl‑Reisinger (NEOS).
- Vermittlung/Intervention: Laut al‑Masar namentlich Saddam Khalifa Haftar und die Familie Haftar sowie mehrere Staaten.
- Familie: Sohn Christoph G. zeigte sich in einer Videobotschaft erleichtert.
Konkrete Details zu den Verhandlungsschritten, möglichen Zahlungen oder Einsatzkräften wurden öffentlich bislang nicht genannt. Ebenso wenig gab es offizielle Angaben zu ihrem Gesundheitszustand über die kurzen Statements hinaus.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Jänner 2025 | Entführung von Eva G. im Niger |
| Fortlaufend 2025–2026 | Diplomatische Bemühungen und Krisenbetreuung |
| Oktober 2026 | Freilassung bestätigt; Ankunft in Wien |
Regionale und diplomatische Dimensionen
Die Berichte über die Rolle von Generalleutnant Saddam Khalifa Haftar und die Erwähnung mehrerer Staaten wie Mali, Niger und Algerien zeigen, dass die Operation nicht rein bilateral ablief, sondern in einem regionalen Netzwerk von Kontakten und Einflussnahmen verankert war. Solche Fälle verlagern sich häufig in Sphären, in denen staatliche und nichtstaatliche Akteure sowie regionale Machthaber miteinander kooperieren oder konkurrieren — jeweils mit anderen Interessen und Einschätzungen zum Umgang mit Entführungen.
Für Wien und das Außenministerium stellt die Rückkehr der Frau einen Erfolg dar — zumindest in humanitärer Hinsicht. Die weitere politische Bewertung hängt nun davon ab, welche Details zu den Verhandlungen und zur Unterstützung für die Betroffene und ihre Familie bekannt werden.
Praktische Folgen und offene Fragen
Wichtig bleibt nun die Frage nach medizinischer und psychologischer Versorgung für die Befreite; hierzu liegen öffentlich keine Angaben vor. Ebenso offen sind weitere Informationen zum genauen Ablauf der Freilassung und zur Rolle externer Vermittler. Die Familie dankte in ihrer Botschaft mehreren Ländern und namentlich der Familie Haftar, was die Komplexität der Verhandlungswege unterstreicht.
Für die Stadt Wien bedeutet die Rückkehr einer in Wien verwurzelten Entwicklerin nicht nur Erleichterung für Angehörige, sondern auch einen Moment der gerichteten Aufmerksamkeit auf Fälle österreichischer Staatsbürgerinnen im Ausland: Wie reagiert der Staat, welche Unterstützung wird angeboten und wie werden Angehörige eingebunden? Antworten darauf dürften in den nächsten Tagen von den beteiligten Ministerien folgen.
Leonie Maier, Korrespondentin Wien