Stadt will Nahversorgung sichern
Die Universitätsstadt Marburg begrüßt die Einigung über die Nachfolge für zwei tegut‑Märkte, sieht die Versorgungssituation in der Nordstadt durch eine kartellrechtliche Entscheidung jedoch weiterhin gefährdet. Nach Angaben des Magistrats sollen die Filialen in Cappel und in der Universitätsstraße von Rewe übernommen werden. Für den kleinen Markt in der Ketzerbach habe das Bundeskartellamt jedoch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen eine Übernahme durch Rewe untersagt. Damit bleibe die Zukunft dieses Standorts zunächst offen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.
Bedeutung des Standorts für die Nordstadt
Die Stadtverwaltung betont die lokale Bedeutung des Ketzerbach-Marktes für die Nahversorgung in der Nordstadt sowie in der nördlichen Oberstadt und der unteren Marbach. In unmittelbarer fußläufiger Nähe liegen unter anderem die Blista, das Institut für Pharmazie der Universität und die Universitätsbibliothek. Vor diesem Hintergrund bezeichnet der Magistrat den Markt als „sehr wichtigen“ Ankerpunkt für die Versorgung vor Ort.
„Dabei hat dieser relativ kleine Markt in der Ketzerbach für die Nahversorgung in der Nordstadt, einschließlich der nördlichen Oberstadt und in der unteren Marbach, eine sehr wichtige Funktion.“
Stadt bietet Unterstützung an, Gespräche stehen noch aus
Nach Auskunft der Wirtschaftsförderung Marburg gibt es bislang keine konkreten Gespräche mit alternativen Anbietern oder formale Interessenbekundungen für den Ketzerbach‑Standort. Die Entscheidung des Bundeskartellamtes sei noch sehr frisch, erklärte die Stadt. Dennoch signalisiert der Magistrat, dass die Stadtverwaltung aktiv unterstützen werde, um eine schnelle und verlässliche Lösung zur Sicherung der Versorgung zu finden.
- Betroffene Standorte: Cappel, Universitätsstraße, Ketzerbach
- Übernahme durch Rewe: Cappel und Universitätsstraße — bestätigt
- Ketzerbach: Übernahme durch Rewe aus wettbewerbsrechtlichen Gründen untersagt; weitere Optionen offen
Finanzpolitische und stadtplanerische Folgen
Für die Stadt Marburg hat die Frage der Nahversorgung nicht nur sozialpolitische, sondern auch finanzpolitische Dimensionen. Der Erhalt kleiner Lebensmittelgeschäfte beeinflusst lokale Mobilitätsmuster, Verkehrsbelastung und Quartiersattraktivität, was mittelbar kommunale Einnahmen und Ausgaben betrifft. Eine dauerhafte Versorgungslücke in der Ketzerbach könnte Mehrbedarf bei sozialen Dienstleistungen erzeugen oder die Nachfrage nach Verkehrsangeboten erhöhen, wenn Bewohnerinnen und Bewohner weite Wege zu größeren Supermärkten in Kauf nehmen müssten.
Vor diesem Hintergrund ist die Rolle der Wirtschaftsförderung entscheidend: Sie kann Vermittler zwischen Eigentümern, potenziellen Betreibern und Förderprogrammen sein. Welche konkreten Schritte die Verwaltung plant — etwa Ausschreibungen, Ansprache regionaler Händler oder Fördermittelanträge — wurde in der Mitteilung nicht detailliert genannt. Offen bleibt ebenfalls, ob kurzfristige Übergangslösungen denkbar sind, etwa Pop‑up‑Angebote oder zeitlich befristete Betreiberkonzepte.
Tabelle: Status der tegut‑Standorte in Marburg
| Standort | Status |
|---|---|
| Cappel | Übernahme durch Rewe bestätigt |
| Universitätsstraße | Übernahme durch Rewe bestätigt |
| Ketzerbach | Übernahme durch Rewe untersagt (Bundeskartellamt); keine konkreten Alternativgespräche bekannt |
Die Stadt hofft, dass für den Ketzerbach‑Standort „schnell eine Lösung gefunden“ werde und bezeichnet das Verbot der Übernahme als bedauerlich und „kaum nachvollziehbar“. Konkrete zeitliche Perspektiven nannte die Verwaltung nicht. Für Anwohner und Beschäftigte bleibt damit eine Phase der Unsicherheit bestehen, die kurzfristig politische und wirtschaftliche Aufmerksamkeit erfordert.
Die weiteren Entwicklungen werden wesentlich davon abhängen, wie schnell die Wirtschaftsförderung mögliche Betreiber identifiziert und wie flexibel Vermieter und Eigentümer auf Alternativkonzepte reagieren. Die Stadt hat ihre Bereitschaft zur Moderation angekündigt; ein Ergebnis steht jedoch noch aus.