In Kassel ist bei einer gefundenen Fledermaus die sogenannte Fledermaustollwut nachgewiesen worden. Wie die Stadt mitteilte, bestätigte der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor den Befund. Das Tier — eine geschwächte Breitflügelfledermaus — war nahe dem Naturschutzgebiet Dönche flugunfähig am Boden aufgefunden worden.
Kein erhöhtes Allgemeinrisiko bei gebotenem Abstand
Die Stadt betonte, dass eine Übertragung des Virus auf den Menschen einen unmittelbaren Kontakt voraussetze. Konkret nennt sie als mögliche Übertragungswege Biss- oder Kratzverletzungen sowie das Eindringen von Speichel in Schleimhäute oder offene Hautverletzungen. In der Mitteilung heißt es, dass bei Einhaltung des gebotenen Abstands „praktisch kein Ansteckungsrisiko“ bestehe.
„Bei Einhaltung des gebotenen Abstands bestehe praktisch kein Ansteckungsrisiko.“
Dennoch rät die Stadt zu Umsicht, weil auffällig aufgefundene Fledermäuse — etwa solche, die orientierungslos, geschwächt oder flugunfähig erscheinen — ein erhöhtes Risiko für direkten Kontakt darstellen.
Konkretes Verhalten bei Fund oder Kontakt
Die Stadt Kassel hat verbindliche Handlungshinweise veröffentlicht, die Bürgerinnen und Bürgern sowie Haustierhaltern Orientierung geben:
- Keine Auffälligkeiten mit bloßen Händen anfassen — nur mit dicken oder bissfesten Handschuhen.
- Bei Biss- oder Kratzverletzungen umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen und den Kontakt zu einer Fledermaus angeben.
- Auffällige oder tote Fledermäuse dem Veterinäramt der Stadt melden.
Die Stadt weist außerdem darauf hin, Kinder über das Risiko aufzuklären, da diese Fledermäusen möglicherweise näherkommen könnten.
| Situation | Empfohlene Handlung |
|---|---|
| Flugunfähige oder tote Fledermaus gefunden | Tier nicht mit bloßen Händen anfassen; Veterinäramt informieren |
| Biss oder Kratzer durch Fledermaus | Unverzüglich ärztliche Behandlung suchen und Kontakt zur Fledermaus melden |
| Haustier frisst tote/geschwächte Fledermaus | Beobachten, bei Verdacht Tierarzt kontaktieren; Übertragungswege theoretisch möglich |
Einordnung und Folgen
Die Stadt erklärte, eine Übertragung der Fledermaustollwut auf Katzen oder Hunde sei theoretisch denkbar, wenn diese eine geschwächte oder tote Fledermaus gefressen hätten. Allerdings sei bisher keine derartige Übertragungskette nachgewiesen worden. Entscheidend bleibt nach Auffassung der Behörden die Vermeidung direkten Kontakts.
Wichtig ist auch die Unterscheidung zur klassischen terrestrischen Tollwut, die in Deutschland seit 2008 offiziell als getilgt gilt. Bei Fledermäusen hingegen werden weiterhin verschiedene Lyssaviren nachgewiesen, die in Fachkreisen als Fledermaustollwut bezeichnet werden. Das bedeutet, dass regelmäßige Nachweise bei Fledermäusen möglich sind, ohne dass daraus automatisch ein flächendeckendes Gesundheitsrisiko für die gesamte Bevölkerung folgt.
Was Kasselerinnen und Kasseler jetzt wissen sollten
Für die Bevölkerung in Kassel ergeben sich aus dem Befund vor allem praktische Folgen:
- Bei Spaziergängen oder Aktivitäten im Bereich der Dönche auf Abstand zu auffällig wirkenden Fledermäusen achten.
- Kinder gezielt informieren, da sie häufiger in Bodennähe spielen und Tiere anfassen könnten.
- Gefundene Tiere nicht selbst bergen, sondern die zuständigen Stellen informieren.
Die Stadtverwaltung hat die Ermittlungen und gegebenenfalls weiterführende Maßnahmen angekündigt. Für Fragen zu gefundenen Tieren oder Verdachtsfällen steht das Veterinäramt als erste Anlaufstelle zur Verfügung. Solange der empfohlene Abstand eingehalten wird, sieht die Stadt kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für die Allgemeinbevölkerung.