Die Sportgewohnheiten im Kanton St. Gallen verändern sich: Erstmals besitzen mehr Einwohnerinnen und Einwohner eine Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter (23 %) als in einem traditionellen Sportverein (gut ein Fünftel). Das ergibt die kantonale Studie «Sport im Kanton St. Gallen 2026», für die 1'771 Personen befragt wurden.
Mehr Bewegung – aber individueller
Die Studie konstatiert, dass sich die Bevölkerung insgesamt etwas mehr bewegt als bei der letzten Befragung 2020. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung treibt mehrere Male pro Woche Sport und erreicht dabei mindestens drei Stunden Bewegung. Besonders ausgeprägt ist der Anstieg in den Städten St. Gallen und Rapperswil-Jona.
Gleichzeitig zeigt sich ein Wandel in der Organisation: Sport wird vermehrt individuell und ausserhalb fester Strukturen ausgeübt. Viele Menschen bevorzugen Angebote ohne feste Trainingszeiten oder in kommerziellen Einrichtungen. Der Anteil der aktiven Vereinsmitglieder blieb seit 2020 allerdings stabil, wodurch nicht von einem Rückgang der Vereine gesprochen werden kann, sondern vielmehr von einer Differenzierung der Sportlandschaft.
Was die Menschen antreibt
Die Beweggründe für sportliche Aktivität haben sich nicht grundlegend verändert: Gesundheit und Freude an der Bewegung stehen im Vordergrund. Nur eine Minderheit gibt Leistung und Wettkampf als Hauptmotivation an. Dies hat praktische Folgen für Gemeinden und Vereine: Angebote, die Gesundheit, Alltagsfitness und flexible Teilnahme ermöglichen, treffen auf eine wachsende Nachfrage.
- Häufigkeit der Aktivität: Mehr als die Hälfte treibt mehrmals pro Woche Sport.
- Dauer: Mindestens drei Stunden Bewegung werden im Durchschnitt erreicht.
- Organisationsform: 23 % Mitglied in Fitnesscenter; gut 20 % in Sportvereinen.
Stellung der Kinder- und Jugendsportangebote
Die Förderung von Kindern und Jugendlichen bleibt ein zentrales Anliegen der Bevölkerung. Schulanlagen und Wohnquartiere sollen so gestaltet werden, dass sie Bewegung fördern. Dieser Wunsch wirkt direkt auf die kommunale Planung: Gemeinden sind gefordert, öffentliche Räume und Infrastrukturen altersgerecht zu planen, damit Bewegungsgelegenheiten auch ohne Vereinsbindung nutzbar sind.
Kantonale Reaktion: neues Gesetz und Mittel aus dem Sportfonds
Der Kanton will auf die Entwicklungen reagieren. Im Zuge der Vernehmlassung befindet sich das neue Bewegungs- und Sportförderungsgesetz. Ziel ist, die Förderung stärker auf unterschiedliche Sport- und Bewegungsformen auszurichten. Aus dem Sportfonds sind zusätzliche Mittel für Projekte in den Bereichen Prävention und Gesundheit vorgesehen. Für Gemeinden und Vereine können diese Mittel Chancen eröffnen, insbesondere für niederschwellige und gesundheitsorientierte Projekte.
| Indikator | Ergebnis |
|---|---|
| Stichprobe | 1'771 Personen |
| Mitglied Fitnesscenter | 23 % |
| Mitglied Sportverein | Gut ein Fünftel |
| Mehrmals pro Woche aktiv | Mehr als 50 % (mind. 3 Std.) |
Konsequenzen für Vereine und Gemeinden
Vereine sehen sich nicht automatisch marginalisiert, aber sie müssen ihr Angebot anpassen: Flexible Trainingszeiten, Angebote für Einsteigerinnen und Einsteiger sowie Programme mit gesundheitsorientiertem Fokus können helfen, Nachwuchs und Mitglieder zu halten. Für Gemeinden heisst das konkret: Infrastruktur so planen, dass sie sowohl organisierte als auch ungebundene Sportarten unterstützt — von bolzplätzen und Trimm-dich-Pfaden bis zu Begegnungszonen, die Bewegung im Alltag fördern.
Aus Sicht der öffentlichen Hand sind auch Kooperationen zwischen Vereinen, Schulen und kommerziellen Anbietern interessant. Solche Partnerschaften können Angebote bündeln und Synergien schaffen, etwa bei Präventionsprojekten oder in der Ausrichtung von Kursen für ältere Menschen.
Ausblick
Die Studie zeigt einen kantonalen Trend: Sportliche Aktivität bleibt hoch, die Art und Weise der Teilnahme wandelt sich. Das neue Fördergesetz und zusätzliche Mittel für Gesundheitsprojekte signalisieren, dass der Kanton diese Entwicklung ernst nimmt. Auf Gemeindeebene wird es künftig darum gehen, vielfältige, niederschwellige Bewegungsmöglichkeiten zu schaffen und die Zusammenarbeit zwischen Akteuren zu fördern.
Für die Bevölkerung bedeutet das: Mehr Angebote, aber auch mehr Verantwortung, geeignete Strukturen zu nutzen. Wie erfolgreich Städte und Gemeinden diese Veränderungen umsetzen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen — sowohl in der Zahl der Teilnehmenden wie in der Qualität der Angebote.