Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat seine erste kantonale Kulturerbe-Strategie verabschiedet. Ziel ist es, das kulturelle Erbe als lebendigen Bestandteil des öffentlichen Lebens zu erhalten, zugänglich zu machen und künftig gezielter zu fördern. Die Strategie ist in einem breit abgestützten Mitwirkungsprozess entstanden und orientiert sich an internationalen und nationalen Vorgaben, die nun in eine kantonale Perspektive übersetzt werden.
Breite Partizipation als Grundlage
Am Entstehungsprozess wirkten zahlreiche Personen mit: Insgesamt 72 Teilnehmende nahmen an Kulturerbe-Stammtischen teil oder beteiligten sich schriftlich. Die Beteiligten kamen aus der Bevölkerung, aus Institutionen und Vereinen sowie aus kantonalen und nationalen Fachkreisen. Der Regierungsrat dankt allen Mitwirkenden ausdrücklich für ihren Beitrag, wie die Mitteilung des Departements Bildung und Kultur unter der Leitung von Regierungsrätin Susann Metzger hervorhebt.
Vier Handlungsachsen für ein kohärentes Vorgehen
Im Zentrum der Strategie stehen vier Handlungsachsen, die die künftigen Schwerpunkte strukturieren:
- Rahmen: Schaffung rechtlicher Grundlagen und klarer Zuständigkeiten.
- Fördern: Entwicklung eines Förderkonzepts zur gezielten Unterstützung von Akteurinnen und Akteuren.
- Verhandeln: Dialog und Beteiligung mit privaten und öffentlichen Trägern.
- Pflegen: Erhalt und Pflege von materiellem und immateriellem Kulturgut.
Die Strategie knüpft an bestehende rechtliche und normative Rahmen an, passt diese jedoch an die kantonalen Bedürfnisse an. Damit will der Kanton die Zuständigkeiten schärfen und zugleich die Akteurslandschaft stärken.
Erste Umsetzungsetappe: Instrumente für fünf Jahre
Als erste Umsetzungsetappe ist eine Periode von fünf Jahren vorgesehen. In dieser Phase sollen fehlende Rahmenbedingungen aufgebaut werden. Konkret nennt die Mitteilung drei zentrale Instrumente, die erarbeitet werden sollen:
- Eine rechtliche Grundlage, die das staatliche Handeln im Bereich Kulturerbe regelt.
- Ein Förderkonzept, das die Unterstützung von Institutionen, Vereinen und privaten Trägern bedarfsgerecht organisiert.
- Ein Sammlungskonzept für bewegliche Kulturgüter in staatlichen und privaten Sammlungen.
Diese Instrumente sollen als Basis dienen, um die Aktivitäten im Kanton koordinierter und nachhaltiger zu gestalten. Damit soll die Sicherung, die wissenschaftliche Erschliessung und die Zugänglichkeit von Kulturgut gewährleistet werden.
Auswirkungen für Akteure und Bevölkerung
Mit der Strategie setzt der Regierungsrat ein zentrales Ziel des Regierungsprogramms 2024–2027 um. Für Vereine, Museen, Archive, kirchliche Träger und private Sammlerinnen und Sammler bedeutet das: Klarere Vorgaben und neue Fördermöglichkeiten. Zugleich sollen die Beteiligungsformen für die Bevölkerung gestärkt werden, damit Kulturerbe nicht nur bewahrt, sondern aktiv gelebt werden kann.
| Handlungsachse | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|
| Rahmen | Rechtsgrundlagen und Zuständigkeitsklärung |
| Fördern | Massgeschneiderte Förderinstrumente |
| Verhandeln | Bessere Zusammenarbeit mit privaten Trägern |
| Pflegen | Erhalt und Dokumentation des Kulturguts |
Langfristige Sicherung und Zugänglichkeit
Der Regierungsrat betont, dass die Strategie nicht nur Schutzmassnahmen festlegt, sondern auch die Zugänglichkeit von Kulturgut verbessern soll. Die Kombination aus gesetzlicher Verankerung, Förderinstrumenten und Sammlungskonzept zielt darauf ab, Kulturerbe langfristig zu sichern und für möglichst viele Menschen erfahrbar zu machen.
Für die kantonale Kulturpolitik bedeutet dies einen Schritt hin zu mehr Koordination und zu einer nachhaltigen Basisfinanzierung wichtiger Aufgaben. In den kommenden Monaten werden die konkreten Arbeiten zur Ausgestaltung der drei vorgesehenen Instrumente starten; dazu gehören fachliche Abklärungen, Dialoge mit Betroffenen sowie die Erarbeitung rechtlicher Grundlagen.
Die Verabschiedung der Strategie markiert einen Beginn: Wie wirkungsvoll die Massnahmen sein werden, hängt künftig von der Umsetzung und der weiteren Beteiligung lokaler Akteurinnen und Akteure ab. Die kantonale Regierung setzt mit dem Papier einen verbindlichen Rahmen, der das kulturelle Gedächtnis von Appenzell Ausserrhoden in den Fokus rückt und zugleich die Mitverantwortung der Bevölkerung betont.
Langfristig bleibt die Herausforderung, historisches Erbe mit zeitgemässen Nutzungen zu verknüpfen und die oft fragmentierten Zuständigkeiten zwischen Staat, Institutionen und Privatpersonen zu koordinieren. Die neue Strategie liefert dafür erste praktische Werkzeuge und einen Zeitplan für die nächsten Jahre.