Wirtschaft Lausanne Waadt (VD)

Widerstand gegen Rückforderungen: Waadtländer Wirte kritisieren harte Gangart bei Covid-Krediten

Im Kanton Waadt sorgt die Nachforderung von Covid-Krediten für Empörung: Kleinbetriebe sehen sich mit Rückforderungen konfrontiert, die in keinem Verhältnis zu den angeblichen Überzahlungen stünden und ihre Existenz bedrohen.

Widerstand gegen Rückforderungen: Waadtländer Wirte kritisieren harte Gangart bei Covid-Krediten
©Illustration KI Emilie Marchand / ztl.live

Im Kanton Waadt wächst der Unmut in der Gastro- und Gewerbeszene: Rückforderungen von Covid-Unterstützungen werfen für zahlreiche Betriebe Fragen auf und lösen Existenzängste aus. Der Fall eines Bäckereibesitzers aus Lausanne macht die Problematik sichtbar: Gemäss eigenen Angaben wurde ihm während der Pandemie eine Überzahlung von 900 Fr. ausbezahlt. Ende 2025 verlangte die Waadtländer Behörde jedoch die Rückzahlung von ursprünglich 80'000 Fr., nach Einspruch wurde der Betrag auf 42'000 Fr. reduziert.

Konflikt um Berechnung und Verhältnismässigkeit

Die Massnahmen in der Corona-Krise wurden rasch umgesetzt: Der Bund vergab innert kurzer Zeit fast 17 Milliarden Fr. an Covid-Krediten, wobei rund 140'000 Unternehmen finanzielle Hilfe erhielten. Diese schnelle Hilfe war zielgerichtet, aber mit vereinfachten Prüfungen verbunden. Heute, fast sechs Jahre später, führen vertiefte Kontrollen und Rückforderungen zu Spannungen.

Die zuständige kantonale Stelle (SPEI) weist darauf hin, dass die Berechnung der Rückforderungen auf den vom Unternehmen eingereichten Unterlagen beruhe. Werden die Unterlagen im Einspruch korrigiert, könne sich der Rückforderungsbetrag entsprechend ändern. Kritiker bemängeln jedoch, dass die verlangten Summen in einzelnen Fällen in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Überzahlung stünden und Betriebe dadurch in ernste finanzielle Not geraten.

Ein Unternehmer berichtet

Der Lausanneer Bäcker, der seit 27 Jahren einen Betrieb führt, schildert seine Lage eindrücklich: Während der Pandemie sei sein Betrieb massiv unter Druck geraten, die Fixkosten seien trotz fehlender Gäste weitergelaufen. Die nun geltend gemachten Summen gefährden nach seinen Angaben die Fortführung des Unternehmens.

«Ich werde alles tun müssen, um nicht in Konkurs zu gehen. Angeblich sollen Unternehmen unterstützt werden. In Wirklichkeit werden sie noch tiefer in die Schulden getrieben!»

Diese Aussage steht symptomatisch für die Stimmung in Teilen der Waadtländer Wirtschaft: Der Unmut richtet sich weniger gegen die grundsätzliche Kontrolle von Subventionen als gegen die Härte und die Höhe der Rückforderungen in Einzelfällen.

Praktische Folgen für betroffene Betriebe

Betriebe, die Einsprache erheben, hoffen auf Korrekturen. Doch Einsprüche sind zeit- und kostenintensiv. In der Praxis bedeuten hohe Rückforderungen oft:

  • Liquiditätsdruck durch sofortige oder kurzfristige Zahlungsforderungen
  • Erhöhter administrativer Aufwand für Rechts- und Buchhaltungskosten
  • Psychologische Belastung und unsichere Zukunftsplanung

Regionale Unterschiede und politische Dimension

Aus dem Artikel geht hervor, dass die Praxis der Rückforderungen kantonal unterschiedlich gehandhabt wird. In der Romandie formiert sich besonderer Widerstand. Das weckt Fragen an die kantonale und eidgenössische Praxis: Sollte es standardisierte Vorgaben für Verhältnismässigkeit und Härtefallregelungen geben? Und wie lassen sich schnelle Rückforderungen mit dem Schutz kleiner Unternehmen vereinbaren?

Politische Akteure im Kanton stehen nun vor der Aufgabe, zwischen der Sorgfaltspflicht zur Rückforderung von missbräuchlich bezogenen Geldern und der Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage kleiner Betriebe abzuwägen. Eine klare Kommunikation und transparente Berechnungsgrundlagen wären Schritte, die zur Entschärfung beitragen könnten.

Was Betroffene wissen sollten

Unternehmer im Kanton, die von Rückforderungen betroffen sind, sollten folgende Punkte prüfen:

  • Prüfung der Berechnungsgrundlage der Rückforderung durch eine fachkundige Person
  • Fristgerechte Einreichung eines formellen Einspruchs, falls Fehler vermutet werden
  • Abklärung von Zahlungsmodalitäten und Härtefallregelungen mit der zuständigen Behörde
Grösse / ZahlAngabe
Bundesmittel Covid-Kredite17 Milliarden Fr.
Anzahl unterstützter Unternehmen~140'000
Beispiel: Überzahlung laut Unternehmer900 Fr.
Erstforderung Kanton Waadt80'000 Fr.
Reduzierte Forderung nach Einspruch42'000 Fr.

Die vorliegenden Zahlen zeigen Diskrepanzen zwischen angeblicher Überzahlung und den geforderten Beträgen in einzelnen Fällen. Solche Differenzen nähren das Misstrauen gegenüber der Behördenpraxis und unterstreichen die Notwendigkeit von klaren, nachvollziehbaren Verfahren.

Für viele lokale Unternehmer geht es nicht nur um Geld, sondern um ihre Existenz, die Arbeitsplätze ihrer Angestellten und die Zukunft kleiner, regional verankerter Betriebe. Wie der Kanton Waadt und die betroffenen Behörden auf diese Kritik reagieren werden, dürfte in den kommenden Monaten zeigen, ob eine Balance zwischen Rückforderungspraktiken und wirtschaftlicher Substanzschutz gefunden werden kann.

Emilie Marchand
Emilie KI Regionalkorrespondentin Kanton Waadt online

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