UEFA aus Nyon verlangt Aufklärung
Die UEFA mit Sitz in Nyon hat dem umstrittenen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino einen umfangreichen Fragenkatalog zugestellt und ihn aufgefordert, bis zum 2. November zu antworten. Dem Schreiben liegen nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur 42 präzise Fragen bei. Hintergrund ist der «FIFA Forward Enterprise»-Plan, mit dem die FIFA einen Teil ihrer kommerziellen Rechte an Investoren hätte veräussern wollen.
Worum es konkret geht
Die UEFA verlangt Auskünfte zu mehreren Punkten, darunter:
- Infantinos persönliches Vergütungspaket;
- die Umstände rund um das Disziplinarverfahren gegen den US-Stürmer Folarin Balogun während der WM;
- geschäftliche und politische Beziehungen zu Donald Trump und Angehörigen;
- die operative Unabhängigkeit der Rechts-, Wahl- und Ethikkommissionen der FIFA.
Die Fragen richten sich nicht nur auf den zurückgenommenen Investitionsvorschlag, sondern auch auf Entscheidungen und Abläufe, die zu diesem Vorschlag geführt haben sollen.
«Diese Fragen benötigen jetzt Antworten», heisst es im UEFA-Schreiben.
Rückzug des Investorenplans und Reaktionen
Die FIFA hatte Ende Juli mitgeteilt, einen Teil ihrer kommerziellen Rechte an Investoren verkaufen zu wollen. Es war vorgesehen, bis zu 20 Prozent der Rechte an WM-Turnieren und weiteren Wettbewerben zu übertragen — ein Geschäft, das mit mehr als 4 Milliarden Dollar bewertet worden sein soll. In der Nacht zum 1. August gab Infantino die Pläne nach einer massiven öffentlichen Kontroverse schliesslich auf.
Juristische Schritte und Hoffnung auf Zeugenaussagen
Die UEFA geht nun weiter: Sie hat US-Bundesgerichte ersucht, Vorladungen zuzulassen, um die Vorlage von Dokumenten sowie eidesstattliche Aussagen in Zusammenhang mit dem Plan namens «FIFA Forward Enterprise» zu erzwingen. Obwohl der Vorschlag offiziell zurückgezogen wurde und Fehler eingeräumt worden seien, reiche dies nach Ansicht der UEFA nicht aus, um die Entscheidungswege vollständig zu klären.
Konsequenzen für die Fussball-Welt und lokale Bedeutung
Die aktuelle Auseinandersetzung markiert eine weitere Eskalationsstufe im Machtkampf zwischen den europäischen Verbänden und dem FIFA-Präsidenten. Bei einer Krisensitzung des FIFA-Councils am 15. Oktober in Zürich bezeichnete DFB-Präsident Bernd Neuendorf die Antworten als «dünn». Dies unterstreicht das anhaltende Misstrauen gegenüber den Erklärungen aus dem Umfeld der FIFA-Führung.
| Datum / Ereignis | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Ende Juli | FIFA kündigt Teilverkauf kommerzieller Rechte an |
| 1. August (Nacht) | Infantino zieht Investorenpläne zurück |
| 15. Oktober | Krisensitzung des FIFA-Councils in Zürich; Antworten als «dünn» bezeichnet |
| 19. Oktober | UEFA in Nyon sendet 42 Fragen mit Frist bis 2. November |
Für Nyon als Standort der UEFA bedeutet die Auseinandersetzung erhöhte Aufmerksamkeit: Entscheidungen und Untersuchungen, die hier initiiert werden, beeinflussen die Debatte auf internationaler Ebene. Für die lokalen Beobachterinnen und Beobachter ist von Interesse, wie transparent und unabhängig die Untersuchungen verlaufen werden und ob sie zu strukturellen Änderungen in den Entscheidprozessen im Weltfussball führen.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die FIFA den geforderten Auskünften nachkommt und ob US-Gerichte Vorladungen bewilligen, die eine umfassendere Dokumentation ermöglichen. Bis dahin bleibt die Frage, wie tief die Verwicklungen tatsächlich reichen und welche Auswirkungen dies langfristig auf die Governance des internationalen Fussballs haben wird.