Die vier Ostschweizer Kantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und Thurgau haben an ihrem jüngsten Treffen in St.Gallen die bereits 2024 begonnene strategische Zusammenarbeit weiter ausgebaut. Die Regierungen zogen eine positive Zwischenbilanz zu laufenden Projekten und vereinbarten neue gemeinsame Vorhaben, die auch für den Kanton Appenzell Innerrhoden konkrete Auswirkungen haben dürften.
Einheitliche Führungsausbildung und Personalentwicklung
Ein zentraler Beschluss betrifft die Personal- und Organisationsentwicklung. Die vier Kantone wollen ihre Führungsausbildungen angleichen und diese in einer Pilotphase gemeinsam anbieten. Ziel ist es, Synergien zu nutzen und begrenzte Ressourcen effizienter einzusetzen, insbesondere bei spezialisierten Aus- und Weiterbildungsangeboten für Kader- und Leitungsfunktionen.
Gemeinsame Planung in der Psychiatrie
Im Bereich der psychiatrischen Versorgung schreitet die Koordination voran. Am 30. September startete die Vernehmlassung zum gemeinsamen Versorgungsbericht. Die Drehscheibe dieser Arbeit sind gemeinsame Analysen und abgestimmte Versorgungsstrategien; vorgesehen ist, die gemeinsamen Spitallisten bis Ende 2027 zu verabschieden. Für kleinere Kantone wie Appenzell Innerrhoden bietet die Zusammenarbeit die Möglichkeit, Versorgungslücken gemeinsam zu adressieren.
Cyberkriminalität, autonomes Fahren und KI
Ein weiteres Thema ist die Bekämpfung der Cyberkriminalität. Nach einer initialen Kick-off-Veranstaltung planen die Kantone, im kommenden Jahr konkrete Modelle für die Zusammenarbeit in der Strafverfolgung auszuarbeiten. Die Zuständigkeiten und der operative Informationsaustausch stehen dabei im Vordergrund.
Beim Pilotprojekt für automatisiertes Fahren, dem PostAuto-Projekt «AmiGo», hat das Bundesamt für Strassen die erforderliche Ausnahmebewilligung erteilt. Der reguläre Betrieb ist für 2027 vorgesehen. Die Teilnahme kleinerer Kantone an solchen Pilotprojekten eröffnet Chancen für ergänzende regionale Mobilitätsangebote.
Zudem wurde die Verwaltungsvereinbarung zur künstlichen Intelligenz bereits im Juni abgeschlossen. An dieser Vereinbarung beteiligen sich zusätzlich die Kantone Glarus, Graubünden, Schaffhausen und Zürich sowie das Fürstentum Liechtenstein. Zweck der Vereinbarung ist, die Nutzung von KI in der Verwaltung zu koordinieren und Synergien zu schaffen.
Weitere Themen und neue Einbindung der Jagd
Neu wurde die Jagd als weiterer Bereich in die strategische Zusammenarbeit aufgenommen. Damit erweitern die Kantone den Themenkreis, der von klassischen Verwaltungsfragen bis zu spezifischen regionalen Anliegen reicht.
| Projekt | Stand / Ziel |
|---|---|
| Führungsausbildung (Pilot) | Vereinheitlichung und gemeinsame Durchführung geplant |
| Psychiatrie / Versorgungsbericht | Vernehmlassung gestartet (30. Sept.), Spitallisten bis Ende 2027 |
| Cyberkriminalität | Kick-off erfolgt, Ausarbeitung Kooperationsmodell 2025 |
| AmiGo (automatisiertes Fahren) | Ausnahmebewilligung erteilt; regulärer Betrieb 2027 |
| Künstliche Intelligenz | Verwaltungsvereinbarung abgeschlossen; zusätzliche Kantone beteiligt |
Wechsel im Lenkungsausschuss
Personell gibt es einen regulären Wechsel an der Spitze des politischen Lenkungsausschusses: Der St.Galler Regierungsrat Marc Mächler übernimmt turnusgemäss den Vorsitz von Thurgaus Regierungsrat Dominik Diezi, der das Gremium seit seiner Gründung vor zwei Jahren geleitet hatte. Der Vorsitzwechsel signalisiert Kontinuität in der Führung und zugleich die regionale Verankerung des Projekts.
Bedeutung für Appenzell Innerrhoden
Für Appenzell Innerrhoden bietet die Kooperation mehrere Vorteile: Durch die Bündelung von Ressourcen können spezialisierte Leistungen wie psychiatrische Versorgung und Weiterbildung effizienter organisiert werden. Kleine Kantone profitieren ausserdem von grösseren Pilotprojekten (etwa beim automatisierten Fahren) und von gemeinsamen Regelungen im Umgang mit neuen Technologien wie KI.
- Gemeinsame Führungsausbildungen sollen Kosten senken und Qualität sichern.
- Psychiatrische Planung zielt auf bessere regionale Versorgung und abgestimmte Spitallisten.
- Cyberkriminalität und KI werden kantonsübergreifend koordiniert, um Handlungsfähigkeit zu erhöhen.
Die Zusammenarbeit der Ostschweizer Kantone zeigt, wie regionale Kooperation zur Bewältigung komplexer Herausforderungen beitragen kann. Die nun beschlossenen Schritte markieren eine Vertiefung dieser Zusammenarbeit mit konkreten Projekten und einem klaren Fahrplan bis 2027.