Zenith leitet Konsultation für Entlassungen in Le Locle ein
Die Uhrenmanufaktur Zenith hat ein Konsultationsverfahren für eine Massenentlassung eingeleitet. Das Unternehmen bestätigte entsprechende Berichte der Zeitungen Le Temps und ArcInfo der Nachrichtenagentur AWP. Demnach stehen weltweit rund 200 Stellen zur Disposition; am Standort Le Locle sind nach internen Angaben etwa 100 von 196 Arbeitsplätzen betroffen.
Unternehmensangaben und Begründung
Zenith weist darauf hin, dass die Massnahme Teil einer geplanten strategischen Neuausrichtung sei. Gemäss Unternehmensangaben soll sich die Marke künftig auf das oberste Luxussegment konzentrieren; die Umstrukturierung sei bis 2029 vorgesehen. Eine Sprecherin sagte, weitere Details würden erst nach Abschluss des Konsultationsverfahrens kommuniziert.
«Wir durchleben in unserem mittleren Preissegment eine sehr schwierige Zeit», sagte Zenith-Chef Benoît de Clerck der Belegschaft, wie ArcInfo berichtet.
Hintergrund: Markt und Kostenstruktur
Als Gründe für die Neuausrichtung nennt Zenith mehrere Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit belasten: den starken Franken, Zölle (insbesondere in den USA) und Rückgänge in wichtigen Absatzregionen wie dem Nahen Osten und Asien. Gemäss internen Quellen entsprechen die bisherigen Produktionsmengen nicht mehr der aktuellen Nachfrage; die Marke schreibt trotz vereinzelter Verkaufserfolge einzelner Kollektionen seit Jahren Verluste.
Auswirkungen für Le Locle und die Region
Für Le Locle hat die Ankündigung unmittelbare Bedeutung: Zenith zählt zu den traditionellen Uhrenmanufakturen in der Stadt und ist seit 1865 Teil des lokalen industriellen Gefüges. Ein Wegfall von rund 100 Arbeitsplätzen würde das lokale Arbeitsmarktgefüge belasten und könnte indirekte Effekte auf Zulieferer und Dienstleister nach sich ziehen.
- Direkt betroffene Stellen in Le Locle: rund 100 von 196
- Weltweit geplante Stellenreduktion: rund 200
- Ziel der Neuausrichtung: Konzentration auf das oberste Luxussegment, Abschluss bis 2029
| Position | Zahl |
|---|---|
| Arbeitsplätze Le Locle | 196 (davon ~100 gefährdet) |
| Weltweite Stellenreduktion | ~200 |
| Zieljahr Neuausrichtung | 2029 |
Reaktionen und nächster Schritt
Die Belegschaft habe am Donnerstagmorgen von den Plänen erfahren, berichten die Medien. Zenith hat ein formelles Konsultationsverfahren gestartet; bis zu dessen Abschluss will das Unternehmen keine weiteren Angaben machen. Unklar bleibt, welche Abteilungen und welche Qualifikationsprofile am stärksten betroffen sein werden. Ebenfalls offen ist, wie viele Stellen allenfalls innerhalb des Konzerns umverteilt oder durch soziale Massnahmen abgefedert werden könnten.
Die Zugehörigkeit von Zenith zum französischen Luxusgüterkonzern LVMH (seit 2013) gibt dem Entscheid eine internationale Dimension. Die Umstrukturierung bei Zenith steht damit exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen die gesamte Schweizer Uhrenbranche derzeit steht: strukturelle Marktverschiebungen, geopolitische Risiken und hohe Produktionskosten.
Für die Gemeinde Le Locle und die Region bleibt zu hoffen, dass Sozialpartner, Regierung und Unternehmen rasch in den Dialog treten, um Härtefälle abzufedern und Lösungen für betroffene Arbeitnehmende zu finden. Konkrete Massnahmen und Zahlen sind jedoch erst nach Abschluss des Konsultationsverfahrens zu erwarten.