In Bremen sind vier Hühner aus einer Wohnung im dritten Obergeschoss eines Mehrparteienhauses befreit worden, nachdem Nachbarn auf die Situation aufmerksam geworden waren. Polizei und örtliches Tierheim versorgen die Tiere; gegen die 30 Jahre alte Halterin wird nach Angaben der Behörden wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt.
Fundlage und Rettung
Die Polizei hatte die Tiere am Samstag aus ihrer Lage befreit. Nach Aussagen des Tierheims kamen drei Hennen und ein Hahn dort vorerst unter. Die Hühner seien bei Auffinden teilweise so fixiert gewesen, dass sie sich kaum bewegen konnten – unter anderem mit USB-Ladekabeln und Schnüren an den Füßen. Teils seien auch die Füße der Tiere miteinander verknotet gewesen, teilte eine Mitarbeiterin des Tierheims mit.
„Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, wurde ich sehr wütend“, sagte eine Mitarbeiterin des Tierheims zur Haltung der Tiere.
Eine Anwohnerin habe die Situation beobachtet, ein Video aufgenommen und die Polizei sowie das Tierheim informiert. Die genaue Motivation der Halterin, die die Tiere in der Wohnung gehalten haben soll, war zunächst unklar. Die Ermittlungen laufen weiter.
Versorgung und medizinische Maßnahmen
Die geretteten Tiere befinden sich zunächst in Quarantäne im Tierheim. Sie werden tierärztlich untersucht und müssen auf Parasiten getestet werden. Laut Tierheim sind die Hühner nach der Rettung etwas verwirrt, fressen aber und befinden sich auf dem Weg der Besserung.
Das weitere Vorgehen hängt von den Untersuchungsergebnissen ab: Nur wenn die Tiere gesundheitlich in Ordnung sind und die Testergebnisse vorliegen, kommt eine Vermittlung in Betracht. Das Tierheim betont, dass Hühner soziale und intelligente Tiere seien, die ausreichend Platz und artgerechte Beschäftigung bräuchten.
Rechtliche Einordnung
Die Polizei bestätigte, dass gegen die verantwortliche 30-Jährige ein Verfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet wurde. Konkrete strafrechtliche Schritte hängen von dem Ergebnis der Ermittlungen und der tierärztlichen Befunde ab. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz von Tieren sehen Sanktionen vor, wenn Tiere unnötig leiden müssen oder nicht artgerecht gehalten werden.
Konsequenzen für Haltung und Vermittlung
Das Tierheim kündigte an, die Hühner medizinisch zu versorgen und erst nach Abschluß der Untersuchungen über eine Vermittlung zu entscheiden. Sollte die Vermittlung möglich sein, werde das Tierheim Vermittlungskriterien anlegen, um sicherzustellen, dass die Tiere in geeignete Haltung kommen.
- Anzahl der Tiere: 4 (3 Hennen, 1 Hahn)
- Fundort: Balkon in einem Mehrparteienhaus, Bremer Osten
- Erste Maßnahmen: Befreiung durch Polizei, Unterbringung im Tierheim, Quarantäne
- Stand der Ermittlungen: Verfahren wegen möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz
| Aspekt | Status |
|---|---|
| Unterbringung | Tierheim (Quarantäne) |
| Medizinische Untersuchung | laufend (Tierarztuntersuchung, Parasitentest) |
| Strafrechtliches Verfahren | eingeleitet |
Hintergrund und lokale Bedeutung
Der Fall thematisiert Fragen der Tierhaltung in städtischen Wohnsituationen. Hühner benötigen neben ausreichendem Platz auch Beschäftigung und soziale Kontakte, heißt es aus dem Tierschutzbereich. Ein Balkon in einer Wohnung wird von Fachleuten in der Regel nicht als artgerechte Dauerlösung angesehen, weil dort wichtige Bedürfnisse wie Scharren, Picken und Fluchtmöglichkeiten eingeschränkt sind.
Für das Quartier bedeutet der Vorfall eine Warnung: Anwohner und Nachbarn können eine wichtige Rolle spielen, indem sie Auffälligkeiten melden. Das Tierheim rät, Beobachtungen zu dokumentieren und im Zweifel die Behörden einzuschalten, damit Tiere schnell Hilfe erhalten.
Wie lange das Verfahren dauert und welche weiteren Erkenntnisse die tierärztlichen Untersuchungen liefern, bleibt abzuwarten. Das Tierheim wird demnach mit Blick auf mögliche Vermittlungen auf den Ausgang der Tests und eine fachkundige Einschätzung der Haltungsbedürfnisse warten.
Der Fall unterstreicht zugleich die Bedeutung von Aufklärung über artgerechte Tierhaltung in urbanen Bereichen – sowohl für potenzielle Halter als auch für Vermieter und Nachbarn.