Stuttgart. Der Lehrermangel in Baden‑Württemberg trifft nach einer aktuellen Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) vor allem Fördereinrichtungen: Nur rund 2 Prozent der Sonderpädagogischen Bildungs‑ und Beratungszentren (SBBZ) melden eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent. Gleichzeitig berichten zahlreiche Schulleitungen von Unterrichtsausfällen, Klassenzusammenlegungen und dem Einsatz von Personal ohne Lehramtsausbildung.
Erhebung im Oktober: Teilnehmer und Ergebnisse
Der VBE befragte vom 5. bis 9. Oktober Schulleitungen verschiedener Schulformen zur Unterrichtsversorgung. Insgesamt nahmen 749 Schulen teil, darunter:
- 409 Grundschulen
- 211 Schulen der Sekundarstufe I
- 129 Sonderpädagogische Bildungs‑ und Beratungszentren (SBBZ)
Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Schulformen: Während an einigen Schulen Verbesserungen zu verzeichnen seien, blieben die SBBZ flächendeckend unterversorgt.
Ausmaß der Unterversorgung und Folgen
Nach Angaben des VBE geben 78 Prozent der befragten SBBZ an, die Unterrichtsversorgung liege bei 90 Prozent oder weniger. Viele Schulleitungen berichteten, bereits zu Beginn des Schuljahres seien Stunden ausgefallen. Solche Ausfälle und die damit verbundenen Klassenzusammenlegungen treffen nach Einschätzung von Expertinnen und Experten besonders jene Schülerinnen und Schüler, die auf intensive pädagogische Unterstützung angewiesen sind.
„Ausgerechnet dort, wo Kinder und Jugendliche besonders intensive pädagogische Unterstützung benötigen, fehlen in erheblichem Umfang Lehrkräfte“,
so VBE‑Chef Gerhard Brand in der Mitteilung zur Umfrage.
Einsatz von Vertretungen ohne Lehramtsausbildung
Ein weiterer kritischer Befund: 62 Prozent der SBBZ geben an, dass Vertretungen ohne Lehramtsausbildung eingesetzt werden, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Dieser hohe Anteil habe Folgen für die Qualität der Förderung, so der VBE. Lehrkräfte an SBBZ benötigen fachliche Erfahrung im Umgang mit besonderen Förderbedarfen; Ersatzkräfte ohne entsprechende Ausbildung stoßen hier an Grenzen.
Welche Maßnahmen werden diskutiert?
Die Umfrage dokumentiert den Status quo, enthält aber keine verbindlichen Lösungen. Aus Bildungspolitik und Schulleitungen werden seit Jahren verschiedene Maßnahmen gefordert, darunter:
- mehr Quereinsteiger mit zielgerichteter Fortbildung
- attraktivere Arbeitsbedingungen und Entlastungen für Lehrkräfte
- verstärkte Ausbildungskapazitäten und gezielte Förderprogramme für Sonderpädagogik
Ob und in welchem Umfang diese Vorschläge umgesetzt werden, bleibt eine politische Frage. Die Daten des VBE legen jedoch nahe, dass punktuelle Lösungen nicht ausreichen, wenn die Versorgung in besonders sensiblen Bereichen wie den SBBZ flächendeckend defizitär bleibt.
Praktische Auswirkungen für betroffene Familien
Für Eltern und Betreuungspersonen bedeuten unterversorgte SBBZ häufigere Organisationsaufgaben: Sie müssen mit kurzfristigen Stunden‑ oder Betreuungsausfällen rechnen und gegebenenfalls externe Hilfen organisieren. Die Einschränkungen betreffen zudem die Kontinuität individueller Förderpläne, die für viele Kinder mit besonderem Förderbedarf zentral sind.
Fazit
Die VBE‑Umfrage vom Oktober zeichnet ein klares Bild: Trotz punktueller Verbesserungen an manchen Schulformen bleiben die SBBZ in Baden‑Württemberg deutlich unterversorgt. Die Kombination aus Unterrichtsausfällen, Klassenzusammenlegungen und dem häufigen Einsatz nicht speziell ausgebildeter Vertretungslehrkräfte erhöht die Belastung für betroffene Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien. Welche politischen Maßnahmen auf Landesebene folgen, bleibt abzuwarten.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Befragungszeitraum | 5.–9. Oktober |
| Teilnehmende Schulen | 749 (409 Grundschulen, 211 Sek. I, 129 SBBZ) |
| SBBZ mit 100% Versorgung | ~2% |
| SBBZ mit ≤90% Versorgung | 78% |
| SBBZ mit Vertretungen ohne Lehramtsausbildung | 62% |