Kiel — Die FDP in Schleswig-Holstein warnt vor weiteren Einschränkungen im regionalen Schienenverkehr durch steigende Trassenpreise. Nach Angaben der Partei drohten ein verringertes Angebot und höhere Fahrpreise, sollten die geplanten Anpassungen bei den Netzgebühren wie von der Bundesregierung vorgesehen kommen. Die Debatte gewinnt an Schärfe vor der anstehenden Verkehrsministerkonferenz, auf der das Land einen Reformvorschlag zur Finanzierung des Regionalverkehrs präsentieren will.
Ursachen und Forderungen
Als zentralen Treiber für den Druck auf den Nahverkehr nennt die FDP die Erhöhung der Gebühren, die Bahnunternehmen für die Nutzung des Schienennetzes entrichten müssen. In einem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, schlägt Schleswig-Holstein vor, bestimmte Infrastrukturkosten künftig nicht mehr über die Trassenpreise zu finanzieren, sondern aus dem Bundeshaushalt zu decken. Vor allem investitionsbedingte Kosten sollen demnach national getragen werden, um die Belastung der Verkehrsunternehmen und damit der Fahrgäste zu verringern.
„Die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung zu steigenden Trassenpreisen und der weiterhin offene Ausbau der Marschbahn sind eine Katastrophe für den Nahverkehr in Schleswig-Holstein“, so FDP-Landtagsfraktionschef Christopher Vogt.
Vogt fordert Ministerpräsident Daniel Günther zum Handeln auf. Er kritisiert zugleich, dass die bisherigen Bemühungen des Landesverkehrsministers nicht ausreichten, um die drohenden Nachteile für Pendlerinnen und Pendler an der Westküste abzuwenden.
Historische Einschnitte und Zukunftsrisiken
Schon vor zwei Jahren hatte das Land aufgrund gekürzter Bundeszuschüsse Fahrten auf fast allen Linien gestrichen; das Angebot sank insgesamt um 1,5 Prozent. Zugleich bezog sich Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter auf prognostizierte Kostensteigerungen, die die Länder übernehmen müssten: Für 2027 seien demnach Steigerungen von acht Prozent zu erwarten.
| Zeitraum | Maßnahme / Belastung |
|---|---|
| vor zwei Jahren | Angebotskürzung um 1,5 % durch gestrichene Fahrten |
| 2027 (Prognose) | Erwartete Mehrbelastung für Länder: +8 % |
Konkrete Folgen für Pendler und Westküste
Für Berufspendlerinnen und -pendler, Schüler und regionale Betriebe könnten reduzierte Zugverbindungen längere Fahrzeiten, volle Fahrzeuge und insgesamt schlechtere Erreichbarkeit bedeuten. Besonders betroffen wäre die Westküste, wo die Marschbahn eine zentrale Verbindung darstellt. Die FDP warnt vor „jahrelangem Chaos“ auf dieser Achse, sollte es nicht rasch eine Anpassung der Finanzierung geben.
- Weniger Angebot: Streichungen von Fahrten würden die Taktung und Linienstärke schwächen.
- Höhere Preise: Steigende Trassenpreise könnten auf Ticketpreise durchschlagen.
- Planungsunsicherheit: Investitionen und Ausbauprojekte wie die Marschbahn bleiben unklar finanziert.
Landesvorschlag und offene Fragen
Der vom Land vorgeschlagene Reformansatz, investitionsbedingte Infrastrukturkosten aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren, zielt darauf ab, die unmittelbare Belastung der Verkehrsunternehmen zu senken. Kritiker werden jedoch fragen, wie die konkrete Aufteilung der Kosten aussehen soll und welche gesetzgeberischen Schritte notwendig sind. Auch bleibt offen, ob und in welchem Umfang der Bund bereit ist, zusätzliche Mittel bereitzustellen.
Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen wurde in der Berichterstattung zitiert: Seine bisherigen Anstrengungen zur Sicherung der Mobilität im Land werden von der FDP als unzureichend kritisiert. Madsen spricht weiterhin von einer Mobilitätsgarantie für alle Orte und Tageszeiten in Schleswig-Holstein; die FDP hält dies derzeit für nicht realistisch, solange sich die Finanzierungslage nicht verändert.
Regionale Bedeutung und Ausblick
Die Debatte berührt nicht nur die unmittelbare Fahrplansituation, sondern auch langfristige Fragen der Verkehrswende und der strukturellen Versorgung ländlicher Regionen. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner Schleswig-Holsteins ist der Schienenverkehr eine unverzichtbare Verbindung zu Arbeitsplätzen, Schulen und medizinischer Versorgung. Ohne klare Beschlüsse auf Bundes- und Landesebene drohen Einschnitte, die über einzelne Linien hinaus Wirkung entfalten.
Die Verkehrsministerkonferenz wird in den kommenden Tagen eine Gelegenheit bieten, die vorgeschlagenen Änderungen zu diskutieren. Ob der Bund investitionsbedingte Kosten übernehmen wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin bleibt die Situation für Pendlerinnen und Pendler sowie die Verantwortlichen in Landespolitik und Verkehrsunternehmen angespannt.